Wenn ich mit dem Nichts verkehre

Brecht_Unterschrift

 

 

An R.

Geh ich zeitig in die Leere
Komm ich aus der Leere voll.
Wenn ich mit dem Nichts verkehre
Weiß ich wieder, was ich soll.

Wenn ich liebe, wenn ich fühle
Ist es eben auch Verschleiß
Aber dann, in der Kühle
Werd ich wieder heiß.
Bertolt Brecht,
(aus den Buckower Elegien, 1953)

vermutl. 1950

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60 Kommentare zu “Wenn ich mit dem Nichts verkehre

  1. Fein fein, ein wenig Zen – wenn man mal das Offensichtliche lässt. Vor allen Dingen unterlasse man die Meditationen und Predigten – weil denen geht es nicht um die Leere, wenn die mit „voll“en Worten erklären.

    Weil Zen nun selbstbezüglich ist, genau wie dieses Gedicht, finde ich die Interpretation ab „Tagged:“ unter dem Text viel passender. Man muss wohl der Kälte etwas entgegen setzen.

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      • Ach man, das wollte ich Dich eigentlich auch fragen (und hab’s gestrichen). Wie Du wohl aus meinem Post siehst, habe ich danach gesucht und Predigten gefunden.

        Aber jetzt, wo Du das nochmal ansprichst, da fällt mir ein wo…
        Oh man, das wäre mir sonst nicht mehr eingefallen. Nicht raubmörderkopiert natürlich… ein wenig Geduld bitte.

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        • Danke, Joachim. Diesen Krümel hatte ich auch gefunden. Ich denke er reicht uns.

          Warum man heiraten sollte. Aus Schwäche, also aus Liebe.
          Reicht das als Begründung?

          Mir gefällt diese:

          Mêler nos idées
          Nos deux coeurs, et nos voix, mon amour
          Avoir un seul nom
          Un seul sang, un seul toit pour toujours
          Avec l’unique envie
          D’avoir un seul destin
          Et les mêmes folies
          Dans ton coeur et le mien
          Et traverser la vie
          En se tenant la main
          Vivre je veux vivre avec toi

          (Vivre avec toi, letzte Strophe, Charles Aznavour)

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      • Nachtrag: Ups, den Text hatte ich ja übersehen.

        Romantikerin. Warte, bis er Dein Moped (Bild, Symbol) umschmeißt. Erst wenn Du damit zurecht kommst, dann wird es spannend (Leonard Cohen):

        She tied you to her kitchen chair
        She broke your throne, and she cut your hair

        Love is not a victory march
        It’s a cold and it’s a broken Hallelujah

        Aber Du liebst ja den Nordwind, bist standhaft, kennst das Nichts, hörtest von der Leere und der Fülle. Gute Voraussetzungen für „je veux vivre avec toi“.

        Muss Dir gar nichts mehr Wünschen (und tue es aber doch).

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        • @ Joachim

          kann es sein, dass ich ein klitzekleines bisschen Ironie aus deinem Kommentar höre?
          Meinst du ich sei ein bisschen abgehoben?

          Die Wahrheit ist die: ich mag den Nordwind nicht, aber er tut mir gut, wenn es zu heiss wird.

          Oder mit Khalil Gibran:

          „Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil. Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin, auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann. Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie, auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann wie der Nordwind den Garten verwüstetet. Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich. So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich. So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern, steigt sie hinab zu deinen Wurzeln und erschüttert sie in ihrer Erdgebundenheit. Wie Korngarben sammelt sie dich um sich. Sie drischt dich, um dich nackt zu machen. Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien. Sie mahlt dich, bis du weiß bist. Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist. […]“

          Danke für die guten Wünsche, ich kann sie gut gebrauchen.

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  2. Da haben wir doch eine schöne Formfrage für Bersarin, dem ich noch Dank schulde für die detaillierte Analyse des „Bruchs“. Sie ging insofern etwas an meinem Einwand vorbei, als ich dieses „Schielen auf Disktinktion“ weniger auf das Stilmittel selbst bezog, sondern eher auf den Vergleich mit „Leipzig“.
    Gegen Spinoza lässt sich selbstverständlich gar nichts einwenden, aber die grundsätzliche Notwendigkeit von Negativität bietet ja noch einen weiten Spielraum des Bezugs und der Motivation. Natürlich ist ein bestimmtes Etwas eo ipso nicht etwas anderes. Nur: Ob ich etwas selektiere, um das, was mir vorschwebt, möglichst präzise auszudrücken oder ob ich es tue, um bloß nicht verwechselt zu werden, ist ein Unterschied. Gefälligere Formulierungen zu vermeiden, weil sie zu sehr nach creative writing klingen könnten, macht abhängig davon wie creative writers schreiben. Es ist schlicht zu anstrengend, stets ganz anders sein zu wollen als die anderen. Es zwingt dazu, sie ständig genau zu beobachten. Das ist nicht immer interessant und schon gar nicht souverän.
    Nichtsdestotrotz war die Begründung lehrreich. Wie verhält es sich nun aber hier mit dem Rhythmus zum Ende des Gedichts? Kürzer und darum heißer? Paradoxe Verdichtung des Nichts zu Etwas? Countdown für die Klimax?
    Auf jeden Fall ‚rumpelt‘ es.

    Und noch ein Nachtrag, denn die Sinnproduktion hier ist rasant: Die Verbindung von Glück, Kragenfell und Bild von süßem Kaninchen ist ein bißchen makaber und sehr witzig.

    Allen, die sich angesprochen fühlen, einen guten Start in die Woche.

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    • @Sachverständiger

      Der Rhythmus am Versende lässt sich leicht „entrumpeln“, Empfehlung: Lautes Lesen, dabei aufrecht stehen und die Hebungen in den Knien mitfedern, dann wirst Du nach der vorletzten/vor Beginn der letzten Zeile intuitiv eine (effektvolle, vom Autoren wohl so beabsichtigte) Pause einlegen, um dann – umso betonter, weil auf eine Pause folgend – die Worthebung „Werd“ rauszuschmettern, und schon stimmt das Metrum.
      = Dramatische Steigerung durch Auslassung unter Beibehalten des Kniewippens, alte Rapperweisheit ;)

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      • Ja, das ist schon wahr. Manche Gedichte kann ich nicht „verstehen“, wenn ich sie still lese.

        Noch einfacher ist es oft, sie sich vorlesen zu lassen. Manche Texte fordern das geradezu. Und schöner ist das auch.

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      • @ Mrs. Mop, Joachim

        Das ist ja schon mal sehr schön und fördert die Durchblutung. Aber wie jede gute Antwort stellt auch diese eine neue Frage: Wie „verstehen“ wir jetzt den „wohl so beabsichtigten“ Effekt? Ich lerne, dass die physisch erfahrbare Pause nicht nur Abwesenheit, sondern gleichzeitig Anwesenheit ist, indem ein Metrum dadurch gewahrt bleibt, dass es nicht gewahrt ist. Guter Effekt. Was aber sagt er mir oder besser: was bewirkt er? Worauf ist er angelegt? „Dramatische Steigerung“ welcher Dramaturgie?

        Leere-voll-Nichts*-soll
        fühle-Verschleiß-Kühle-heiß

        *Oder: verkehre?

        Das sind die betonten Bedeutungsträger, die ziemlich undramatisch und eher auf Paradoxien hin angelegt sind.
        Wie verhält es sich hier mit dem Zen, der oben erwähnt wurde? Mit dem Einbezug des Einatmens beim lauten Lesen in das Gedicht? Können wir das noch ein bisschen europäisch rationalisieren oder sind wir auf eine fernöstliche Erfahrung von Leere als Sein verwiesen?
        Da steckt noch Potential drin.

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      • @Sachverständiger

        Den „wohl so beabsichtigten“ Effekt verstehe ich ganz in Deinem Sinne, nämlich als „Countdown für die Klimax“. Innerhalb des vorgegebenen Metrums wird der Rezitator jene Pause instinktiv (oder auch bewusst) nutzen, um für den letzten Anlauf tief Luft zu holen und danach das finale Crescendo durch kräftiges Ausatmen, fast würde ich sagen: hervorzustoßen. Und genau damit dem Gedicht (das ich in seiner Rhythmik samt den betonten Bedeutungsträgern auch ziemlich undramatisch finde) am Schluss eine überraschende dramatische Brechung zu geben. Hätte der Autor auf diesen Bruch verzichtet, wäre wohl etwas eher Langweiliges, leicht Herunterzuleierndes herausgekommen (zumindest rhythmisch betrachtet). Daran hätte er, beim gewählten Thema, vermutlich kaum Interesse gehabt. Behaupte ich jetzt mal.

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      • Bei mir funktioniert das Mitfedern anders: Ich mache nach „dann“, vorletzte Zeile, eine Leerwippe, ohne Text. Die letzte Zeile ist bei mir dann fast marschmäßig. (alte Militärweisheit)

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      • Lieber Sachverständiger,
        nicht überinterpretieren. Sonst wird das so:

        Ersetze in der ersten Zeile die Leere durch das Wirtshaus. Es wird vollkommen logisch.

        Und nun wird es wirklich übel. Verkehren mit nichts, keine Frau, kein Mann, nur einer selbst und Mann weiß sehr schnell, was Mann soll.

        Zweite Strafe:
        Liebe unterliegt dem Verschleiß. Die heiße Zeit kühlt ab. Sowieso. Dann kommen wir, in perfekter Rekursion wieder zur ersten Strophe, zweiter Teil. Logisch, man wird wieder heiß.

        Die Form unterstützt diese Interpretation perfekt, doch das führt jetzt mal zu weit.

        Aber halt, halt, welch ein Blödsinn! Zen:

        Leere ist Fülle.
        Ich suche den Weg.
        Doch erst fernab, da kann ich ihn finden.

        Oh, offensichtlich färben entweder die Kommentare hier auf mich ab, freilich ohne dass ich deren Qualität erreiche oder … ach nee, ist der Blog hier auch ab 16?

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      • @ Joachim

        Ich weiß nicht, ob in diesem Salon eine Altersbeschränkung herrscht, da musst Du die Gastgeberin fragen. Gestern wurde auch moniert, dass keine Smileys zur Ironie gereicht werden, Rauchverbot ist ohnehin absolut. Es muss also solche Regeln geben.

        Allgemein glaube ich, dass es Überinterpretation nicht geben kann. Jeder Text lässt sich mit unendlich viel Bedeutung füllen, mit unendlich vielen anderen Texten verbinden. Geht man aber soweit, Worte zu ersetzen, dann ist ohnehin alles möglich, dann mache ich aus Brecht die Bibel.

        Inwiefern ist da übrigens ein qualitativer Unterschied? Den sehe ich nicht. Bitte nicht kokettieren, um sich zusätzlichen Spielraum zu verschaffen. Jeder steht hier unter demselben erbarmungslosen Profilierungsdruck, da gibt’s kein Handicap wie beim Golf. Wenn doch, dann gehört das wieder zu den Regeln, die nur die Gastgeberin kennt.

        Mir gefallen die Vorschläge sehr gut, denn tatsächlich hatten meine Ansätze und Fragen gestern irgendwie etwas brav Formales und somit Langweiliges. Tatsächlich hatte ich auch schon eine eher pornographische Interpretation im Sinn, die ich dann aber nicht geschrieben habe. Es war schon spät und man hätte mich für zugedröhnt halten können. Das ist das Fatale an der Kommunikation unter Abwesenden: Man kann betrunken wirken, obwohl man nur peinlich ist.
        Solche Fauxpas und alle anderen lassen sich allein dadurch vermeiden, dass nur die ersten Worte beherzigt werden: Verkehre mit nichts.

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        • @Alle:

          Zutritt zum Salon ab 18, zum Boudoir nur mit für Mitglieder
          Rauchen ist auf dem Balkon und in der Bibliothek erlaubt
          Gedanken freien Lauf lassen! Der abwegigste Gedanke ist vielleicht der Beste.
          Der Weinkeller ist geöffnet, das Bier kalt gestellt, die Spirituosen wohl sortiert, Kaffee und Tee gibt es auch- Bedienen Sie sich!

          Musik: http://youtu.be/n8KzA6es3Bo

          @Sachverständiger:
          Einmal lernte ich jemanden kennen, der mir stolz eine Hose präsentierte, die er soeben auf dem Flohmarkt gekauft hatte.
          Er räumte ein, dass sie ihm zwar zu kurz sei, es sich außerdem um eine Frauenhose mit „Hüften“ handelte, sie aber ansonsten prima in Schuss sei, nicht einmal Löcher an den Knien habe und darüber hinaus sehr günstig war.
          Er war weder betrunken noch peinlich.
          Ich habe mich sofort verliebt.

          Ich möchte Sie bitten sich nicht zurück zu halten mit Ihren Intrepretationen, solange sie sich in angemessenem sittlichen Rahmen bewegen, und da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

          „Verkehre mit nichts“ funktioniert beim Bloggen nicht.

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      • @ tikerscherk

        Ja eben, Sie konnten ihn sehen, ihn und seine schicke neue Hose. Ihn riechen und bei Neigung sogar anfassen. Das ist doch der Unterschied, das haben Sie mir ja neulich selbst klar gemacht.
        Wenn Sie mich hier sehen könnten, nackt mit mit lila Zipfelmütze auf dem Kopf vor dem Bildschirm kauernd, wenn sie mein zartes Rosenparfum riechen könnten, dann würden Sie meine Texte sehr viel besser verstehen. Dann würden Sie nicht auf den Gedanken kommen, dass auf meine Sensibilität Rücksicht zu nehmen sei, sondern Sie würden sich die Kleider vom Leib reißen und den Rest können Sie sich denken. Aber so wie die Situation nun mal ist, erwecke ich hier einen völlig falschen Eindruck.

        Das ist aber nicht alles ganz wahr, sondern eher ein Testlauf, der auf die freundliche Aufforderung zur Hemmungslosigkeit reagiert. Vorsicht ist angeraten bei solchen Einladungen. Das Vertrauen auf die sittliche Festigkeit kann Folgen haben, die man sich nur ungern ausmalt. In gewissem Sinn handelt es sich um ein erhöhtes Verkehrsrisiko.

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        • @Sachverständiger

          Rosenduft und lila Zipfelmütze.
          Ich bin überrascht: sie sind ein Exzentriker. Ein Modefreak. Ein wildes Tier.
          Vor der Tastatur kauernd, bereit zum Sprung. Zur Transfenestration.
          Doch, doch. Ich beginne Sie zu verstehen.
          Und vielleicht würde ich mir tatsächlich alles vom Leibe reissen.
          Ihre Kleiderwahl, wenn sie denn mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein und der nötigen Selbstvergessenheit getragen wird, bietet genug Anlass dafür.

          Man weiss es nicht.
          Denn so ist das Netz beschaffen. Geruchlos und ohne Puls.
          Aber wir wissen, dass sie da sind. Die Düfte, das Blut, die Gedanken und die Zipfelmützen. Und wir können sie sichtbar machen, sofern wir das wollen.
          Ihr Testlauf hat mich überzeugt.
          Darf ich Ihnen ein Glas Roten anbieten, oder lieber einen Est! Est!! Est!!!

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      • @ tikerscherk

        Zu liebenswert, aber meine Exzentrik macht Wein überflüssig. Ich bin manchmal ohnehin so selbstvergessen, dass Alkohol dies auch nicht mehr steigern könnte und wozu wäre er dann gut. Außerdem muss ich natürlich auf die Statur achten. Lila betont köperliche Disproportionen und Rosenduft ziert Männer nur, wenn er eine sichtbare, aber nicht aufdringliche Muskulösität umweht. Zuviel Masse macht schwülstig. Undogmatische Askese im Lebenswandel erschafft den Körper, der zum Sprung ansetzen kann.
        Der Markenname allerdings gefällt mir. Je nachdem also, was da ist, etwas auf Kaffeebasis, das ist meine Richtung.

        Traumzeit heute, eine entspannte Fahrt mit dem Zug, ohne klares Ziel. Die Welt zieht am Fenster vorbei, spendet den Raum für die Freiheit der Gedanken. Schlafen Sie gut.

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        • @ Sachverständiger-

          Undogmatische Askese. Sehr begrüßenswert, solange sie die Ausschweifungen kennt.
          Warum aber Kaffee als künstlicher Beschleuniger, wenn Sie ohnehin schon überdrehter Exzentriker sind?
          Est! Est! Est! ist ein italienischer Weißwein mit einer Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen soll. Nichts für Sie, Alkohol.
          Ich schlage vor wir trinken einen Tee zusammen.

          Bonne nuit.

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      • Zum undogmatischen Asketiker fällt mir eine Anekdote über Brecht ein: Dieser fuhr mit schäbigem Wagen am Theater am Schiffbauerdamm resp. dem Berliner Ensemble vor, ging im schlunzigen Arbeiterkittel in die Proben, aß in der Pause eine einfache Wurststulle. Allerdings lag unter der Motorhaube eine PS-starke Maschine, Modell Extranfertigung, der Arbeiterkittel war vom besten Schneider Berlins maßgefertigt; Immerhin aber war, so geht die Legende, das Wurstbrot echt. Bei undogmatischer Askese ist also vielfach genaues Hinsehen geboten. Und man sollte beim großen Tigersprung allerdings darauf achten, nicht als Bettvorleger zu landen. In mehrfacher Hinsicht passierte dies etwa Mao Zedong.

        „Man umgebe mich mit Luxus! Auf das Notwendigste kann ich verzichten.“ (Oscar Wilde)

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      • @ Bersarin

        Ist doch mein Reden: Immer Vorsicht beim Netzverkehr. Womoglich ist die Zipfelmütze aus Zobelfell. Von kleinen süßen Zobeln, denen ich ihr Fell selbst abziehe. Das verschafft mir unbeschreibliche Glücksgefühle. Womöglich bin ich auch kein Sachverständiger, sondern habe den Namen hier nur aufgeschnappt.
        Wie sagte tikerscherk gestern so richtig: „Man weiß es nicht.“
        Ich beginne gerade, großes Vergnügen an diesem Maskenball zu entwickeln.

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      • Im Internet ist es wie unter einer Burka: Es könnte der eigene Onkel dahinterstecken. Es gibt sogar Blogger, die schreiben sich in ihren eigenen Blog Kommentare unter anderem Namen, damit es nach regem Verkehr aussieht. Ich selber pflege aus lauter Eitelkeit heraus nur im eigenen Namen zu signieren.

        Wer sich selber mit Freude eine Zipfelmütze aufsetzt, soll das machen: Suum cuique. Hier in Berlin habe ich bereits so viel schlechten Geschmack erlebt, daß mich seither nichts mehr erschüttert. Nicht einmal lila Zipfelmützen. Nur das Zobelfell dürfte Ihnen die Blogbetreiberin wohl übel nehmen. Zu recht, wenn ich an die Produktionsbedingungen solcher Bekleidungsstücke in den Zobelfarmen denken.

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      • Wer redet von Farmen? Von Hand aufgezogen, mit Eselsmilch genährt selbstverständlich. Ich setzte mir doch kein minderwertiges Fell auf den Kopf. Nur ein glücklicher Zobel entwickelt ein gutes Fell. Das ist ähnlich wie bei Kaninchen, was tikerscherk sicher verstanden hat und mir darum hoffentlich nicht übel nimmt.
        Soviel kann ich übrigens versichern: ich bin nicht tikerscherks Onkel und nicht tikerscherk selbst. Glaube ich zumindest.

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        • Naja. Sind ja nur virtuelle Zobel.
          Ansonsten würde ich Ihnen das natürlich schon verübeln.
          Sie wissen ja: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“
          Anfüttern und töten ist also nicht.

          Ich bin übrigens beruhigt, dass Sie nicht ich sind. Und auch nicht mein Onkel.
          Sonst müsste ich annehmen, dass ich den Überblick über mein Leben verloren hätte, und Ihre Nacktheit vor dem Bildschirm erschiene in einem ganz anderen Lichte.

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      • Sie haben Bersarins Eitelkeit zu Ihrer Eifersucht umgeschrieben. Absicht oder Freudscher Fehler? Und Sie vermuten richtig, ich habe weder einen Zobel noch sonst je ein Tier getötet, vertraut oder fremd. Ich bin in einer Welt der Fleischereien und Supermärkte aufgewachsen.
        Möglicherweise bin ich für das Maskenspiel nicht geeignet. Ob nackt oder bekleidet. Zu verwirrend.

        Schlafen Sie wohl.

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        • @ Sachverständiger

          ich habe die, just vor meinen Augen stattfindende, kämpferische Eifersucht zweier Katzen auf dem Tisch, direkt neben meinem Laptop mit in den Kommentar genommen.
          So banal nur und so wenig verwirrend.

          Dass Sie kein Tier getötet haben nahm ich an.
          Auch ohne Maske und in legerer Freizeitkleidung sind Sie ein gern gesehener Gast in diesem Blog.

          Schlafen auch Sie gut.

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      • @ tikerscherk

        Nichts anderes war und ist mein fester Glaube.

        Da ich über die Tage weitgehend offline bin, wünsche ich Ihnen und allen Gesprächsteilnehmern des Kreuzberger Salons jetzt schon Frohe Ostern.

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    • „Die Verbindung von Glück, Kragenfell und Bild von süßem Kaninchen ist ein bißchen makaber und sehr witzig.“

      Bei der Wahl des Bildes kam ich mir vor, wie der Metzger, der ein lachendes Schwein als Werbegesicht wählt.
      Als Kind glaubte ich, dass das Fell vom Schneider kam.
      War ziemlich naiv und gutgläubig.

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      • tikerscherk, ich weiß nun nicht, ob mich der notwendige Ernst vollkommen verlassen oder nur die Erleuchtung getroffen hat.

        Aber verflixt, wieso sind SIE auf unsere Hilfe angewiesen? Sie kommen auch gut ohne UNS (zurecht). Freilich, es ist von Fall zu Fall die Frage, ob SIE das wollen. Also, ich meine nur, WIR sollten uns schon etwas bemühen, oder?

        Vielleicht hätte Brecht dann sein Gedicht anders formuliert.

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        • @Joachim

          Siezen wir uns eigentlich? Und meinen sie mit dem kapitalen SIE etwa mich, oder die Göttin?
          Und wie kommen Sie, bzw. du auf die Idee ich käme ohne die Hilfe des Kommentariats (zurecht)?
          Zu Recht? Mit Nichten!
          Auf gar keinen Fall möchte ich das! Das wäre ja Onanie ja- ja-mmerschade.
          Wer ist denn nun WIR?
          Gehöre ich auch dazu, oder sind die Damen und Herren auf der anderen Seite der Leitung gemeint?
          Wer immer WIR sind oder ist, Bemühen, anstrengen, sich plagen. Es nützt alles nichts.
          Sich der Schwäche ergeben erscheint mir, äh, würdiger.

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      • tikerscherk, das hab‘ ich nun davon. Nein, SIE ist nicht Du sondern die Anderen, also eben die nicht UNS sind. Die zu denen wir gut sein sollten, die eben unsere Schwäche sind.

        Schluck, so wird das nix.

        Also gut, Göttin ist da schon besser. Braucht uns eine Göttin?

        Na ja, kommt darauf an. Zunächst muss der Alltag laufen, Briefe abarbeiten, Putzen, ab und an einmal ausgehen, Füße knuddeln – die immer kalten, alle Sorgen wegnehmen, ein neues Motorrad ; aber erst der Führerschein(!) UND ein neues Rad kaufen, dazu lächeln, sich sorgen, wenn die einfach mein Bike umwirft – ich wollte doch nur einmal probieren, sie den Verstärker abbrennt, wenn es nix zu essen gibt oder sie beim romantischem Filmabend einfach wohlig einschläft, loben, wenn sie kreativ etwas „reparierte“, knuddeln und vor allen Dingen keinesfalls und nimmer nur einen „verwerflichen“ Gedanken haben, außer es ist gerade einmal nicht zunächst.

        Was vergessen? Natürlich, selbst dann wenn ich nichts vergessen hatte und sogar die Treppe mit Rosen bestreute. Nur wenn ich selbst das einmal vergesse, wo bin ich, was wollte ich noch einmal oder sogar mal etwas nur für mich mache, dann ist gaaannz plötzlich zunächst. Alternativ hilft Bäume umhacken.

        Okay okay, ich sehe es ein. Wir müssen gut zu ihnen sein. Sie sind unsere Schwächen. Wir lieben sie über alles auf der Welt.

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        • Alles sehr schön. Liebevoll. Auch das „Über alles in der Welt lieben“

          Mir persönlich bekommt das (leider) nicht.
          Weder als Empfängerin, noch als Geberin.
          Ein bisschen Nordwind muss manchmal sein, um bei Verstand zu bleiben.

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      • Ja, ich sehe, was Du meinst. Kommst wenigstens Du mit Bäume hacken? Mist, flasche Frage oder falscher Ansprechpartner.

        Zen.
        Bei meiner Göttin wirkt das nur mit nackten Oberkörper.
        Jedenfalls wenn ich nicht damit rechne.
        Bei mir wirkt das auch so – es beruhigt.

        ohmm

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  3. @ Sachverständiger
    „Nur: Ob ich etwas selektiere, um das, was mir vorschwebt, möglichst präzise auszudrücken oder ob ich es tue, um bloß nicht verwechselt zu werden, ist ein Unterschied.“ Das sehe ich ebenso. Zu sehr zur Schau gestellte Erlesenheit oder Exzeptionelles, das auf den bloßen Effekt schielt, zeigt eine leicht nervende Bemühtheit und wirkt dadurch häufig flach. Tikerscherk hat allerdings in der ersten Weise exponiert: um der Präzision und um des einen Ausdrucks willen, den Fluß der Prosa (und damit auch den des elendigen Zustandes) zu unterbrechen, ohne ihn in einer Weise aufzuheben, sondern es bleibt das Dramatische und Traurige stehen. Was genau richtig ist. Und um diese Exaktheit der Prosa ging es mir. Der Hinweis auf Hildesheim und Leipzig war lediglich eine ironische Anspielung auf eine dieser Scheindebatten des Feuilletons, die vor einigen Wochen geführt wurden.
    _____________
    Zu Brecht
    Zunächst einmal: das Gedicht ist nicht aus den Buckower Elegien. Weder in meiner Standard-Brechtgrauen-Suhrkamp-Ausgabe, noch in meiner großen kommentieren Berliner/Frankfurter Ausgabe finde ich es dort. Doch das tut nicht viel zur Sache. Vielleicht schrieb er es in Buckow, vielleicht in Berlin.

    Elegien sind in vielen Rahmungen möglich: Sogar im Vier Jahreszeiten in Hamburg, im Adlon in Berlin oder in einer Luxuswohnung in Paris samt attraktiver Frau und allem, was das Herz begehrt: Elegien schreiben sich an manchem Ort.

    Was das Gedicht betrifft, so handelt es sich um eine jener Gelegenheitsarbeiten Brechts (sofern er es nicht unter der Zuhilfenahme diverser Frauen verfaßte), es handelt sich um ein Gedicht, das formal einfach gehalten ist; inhaltlich sieht es bereits anders aus. Es ist keines der besten Gedichte vom Brecht. (Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Brecht ist einer der großen Dramatiker und Dichter des 20 Jahrhunderts. Leider hat er in beiden Sparten ebensoviel, nun ja, Bemühtes geschrieben.)

    Lese ich diesen Text als ein Gelegenheitsgedicht, auf eine Situation gemünzt, ist es ok. Wir alle, die wir gerne schreiben, verfassen zuweilen solche Zeilen. Es handelt sich um Zeilen, die Anlaß zum Denken liefern. Insofern steht Brecht auch in diesem Falle in der Tradition des Lehrgedichts. Hier als kleine Form praktiziert, und insofern ist der Hinweis auf Zen nicht ganz falsch. Auch kurze Zen-Texte oder der Haiku arbeitet auf diese Weise: sie verdichten Bedeutung in einer simplen Sentenz und weisen auf einen ganz bestimmten Sinn, der als Lehre zu lesen ist und als Praktik womöglich ins Ich aufzunehmen. Wesentlich scheint im Gedicht Brechts das „zeitig“, also der Bezug zur Zeit zu sein, die ja mit dem Nichts in einer gewissen Korrespondenz steht.

    Der Bruch am Ende des Gedichts ist künstlich, er hakt, er mag, wenn man den unterbrechenden Rhythmus liest und an die Brechtsche Weise der Formung denke, als dialektischer Abbruch motiviert sein. Sozusagen die Profanisierung des Heißen und Wilden, das ja eigentlich das Exzeptionelle sein sollte, und was hier gerade nicht im hohen Tone daherkommt, sondern in der unrhythmischen, einbrechenden Variante geschrieben wird. Brecht den Rhythmus! – sozusagen – um zu kalauern. Man muß dieses Gedicht vielleicht auch vertont sich vorstellen, in einer dieser typischen Brecht-Melodien, wie sie übrigens der ansonsten so unselige Wolf Biermann ziemlich gekonnt spielt und singt – eben die Eisler-Tradition. Da würde das „werd ich wieder heiß“ dann in einer anderen Tonart oder wie auch immer das zu bezeichnen ist, ich bin kein Musiker, stehen. Hat irgendwie doch etwas. Ist halt Brecht-Sound, wenngleich ich dieses Gedicht – wie geschrieben – nicht wirklich für gelungen halte.

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    • Ich habe das Gedicht so übernommen, wie ich es in einem alten Schriftstück fand.
      Nun recherchiere ich ein bisschen online und lese, dass es 1950 entstanden sein soll, zusammen mit diesem:

      Schwächen

      Du hattest keine
      ich hatte eine:
      Ich liebte

      Beide als Antwort auf das Gedicht „Die Kälte“ von Berlau.

      Übrigens empfinde auch ich das „Rumpeln“, als im Kontrast stehend zu dem Heißen und Wilden.
      Beinahe als Kalauer, bzw. als scherzhafte Aufweichung der Kälte Berlaus.

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    • Brecht-Sound, Selbstversuch:

      Geh ich freudig ins Gewühle
      Vom Alleinsein Nase voll.
      Ach, mir ist so nach Gefühle
      Weiß ich auch nicht, was das soll.

      Wenn ich wühle, wenn ich fühle
      Ist das eben auch Verschleiß
      Aber dann, zwischen die Stühle
      Denk ich: Was‘n Scheiß.

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      • To be honest: Mop-Sound im Original ist eher das, was ich hören will. Kein fremdgesprochenes Rumgedruckse zwischen den Stühlen, sondern unmaskierte Eigenheit. Lautstärke hochgedreht.

        Wahrscheinlich durch die Leere des Verkehrs inspiriert, fiel mir heute nämlich „Keep bitchin‘ in Mop’s kitchen“ wieder ein. Verfressene Sinnlichkeit wie sie anregender kaum sein kann. Allein der Countdown ist herrlich hemmungslos. Der Text ist tatsächlich guter Sex. Und davon gibt’s noch mehr irgendwann, da bin ich sicher.

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      • Lach – das war nun „göttlich“ und eine schöne „Kritik“ – wenn ich das so vor der Arbeit nun richtig verstehe. Man beachte die Vorleseregeln.

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      • @ Mrs. Mop

        Also ich finde den Selbstversuch sehr gelungen.
        Da sehe ich deutlich die Mrs. Mop vor mir, bzw. im Gewühle.

        Beim laut Vorlesen hab ich mit den Knien gewippt, um bei „Was´n Scheiß“ wieder in die Aufrichtung zu kommen.
        Was lerne ich daraus: Alleinsein bringt es nicht, das Gegenteil davon aber auch nicht?

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      • @tikerscherk

        Ich folgte – musisch geküsst von Bersarins „Brecht-Sound“ – dem dringenden Bedürfnis, mich ins Gewühle des Kommentariats zu stürzen, unter Zuhilfenahme eines passenden Reims, um zu erkunden, wie sich das Fühlen im Wühlen so anfühle, anders gesagt: Es war die (mich gelegentlich anfallartig heimsuchende) Lust, mich rhythmisch-sinnbefreit zu verschleißen, und sei es bloß, um dem formidablen Schlussreim ein prominentes Plätzchen an der Brechungsfront zu verschaffen.

        P.S.: Übrigens führt der von Dir gesetzte Link zu einer frustrierten Ente statt ins verbitchte Küchenparadies von Mrs. Mop.

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        • @ Mrs. Mop-

          „Es war die (mich gelegentlich anfallartig heimsuchende) Lust, mich rhythmisch-sinnbefreit zu verschleißen […]“

          Wieder so ein wunderbarer Mop´scher Satz :-)

          Den Link ändere ich gleich!

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  4. Schwächen

    Du hattest keine
    ich hatte eine:
    Ich liebte

    Toll, klasse. Das ist Brecht, wie ich ihn mag, Wie ich ihn so sehr mag. In seiner Kürze, Unschlagbar. Wobei ich nicht mehr als 3 Sätze von ihm kenne. Ansonsten – bin ich von der intellektuellen Tiefe hier absolut im falschen Film.

    Doch ergänzend:
    „Gibt es eigentlich schon die Online-Ehe?“
    Fehlt hier der „smilie“?

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    • Einfach weiter mitlesen. Irgend etwas nimmt man immer mit, bei solchen Konversationen.
      Zum Beispiel den Dreizeiler Brechts.

      Nein, hinter „Gibt es eigentlich schon die Online-Ehe?“ fehlt nichts.
      Online-Scheidung immerhin gibt es.
      Wird Zeit, dass man im abendlichen Vollrausch via Facebook oder twitter heiraten kann.

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