Begegnung

magische Stöckchen - magic sticks

magic sticks (Photo credit: Ines Seidel)

Ich gehe durch den Wald. Bei einer Steinbuche bleibe ich stehen.
Die Zweige und Äste am Fuße des Stammes zerbreche ich in viele kurze Stöckchen und Stäbchen, die ich auf dem dunklen Waldboden für den zufälligen Wanderer anordne. Möglicherweise wird schon bald ein Wildschwein die Nähe des Baumes suchen, und sich an dessen aufgebrochener Rinde die Flanke reiben.

Ich sitze in der kleinen Schenke am Waldrand. An der Wand hängt ein Bild des Bayernkönigs, die Stofftischdecken sind blau gewürfelt.
Der Mann am Nebentisch entleiht meinen Salzstreuer. Wir kommen ins Gespräch, in dessen Verlauf ich Zucker auf meine Untertasse streue und mit den Fingern Buchstaben in die dünne Körnerschicht male.
Die Kellnerin räumt unser Geschirr ab.
Wir zahlen und gehen.

Enhanced by Zemanta

16 Kommentare zu “Begegnung

      • Manchmal sind diese Dinge aber auch wie auf einer Reise, wenn Menschen mit der Eisenbahnfahren und aus dem Zugfenster blicken. Die Perspektiven wechseln im Spiel der Wörter wie das Licht. Es schimmert, es ist nicht eindeutig. Wie jene Buchstaben, die von den Fingern einer Frau, in den Sand gezeichnet, einen Text oder ein Wort formen.

        Und jeder Würfelwurf ist bekanntlich, seit dem Satz jenes einen Dichters, einem Zufall geschuldet – einem Spiel. Die verlorenen Kinder im Wald oder im Stein.

        Gefällt mir

        • Herrliche, poetische Worte. Ich kenne „wenn Menschen mit der Eisenbahn fahren und aus dem Zugfenster blicken.“ Mir ging das so, als ich als Kind mit der Hochbahn (heute Linie 1) fuhr. Abends konnte man in die erleuchteten Zimmer schauen. Nur Bruchteile pro Fenster und doch sah man was die Leute taten: eine Frau betrat ein Zimmer, ein Mann las eine Zeitung, Kinder rannten um einen Tisch. Meine Neugier wurde geweckt durch das Alltägliche. Der Zufall erzählte jedesmal eine neue Geschichte.

          Ich habe mir diese Neugier erhalten und starre immer noch wie ein Kind aus dem Fenster des Zuges. Ich will nichts verpassen.

          Gefällt mir

      • Haben Sie vielen Dank. Genau diesen Aspekt meinte ich: selbst bei einer Reise durch die Berlin, wenn die S- oder U-Bahn oberirdisch fährt: Aus dem Fenster schauen und in den wenigen Sekunden in eine andere Welt, in ein Leben hineinblicken, das sofort wieder vorbeizieht. Das, was sich in den erleuchteten Fenstern zuträgt. Ähnlich ist es beim Flanieren und Spazieren durch die Stadt.

        Ich kann im Zug nicht lesen, weil ich aus dem Fenster sehe und die Landschaftsbilder einsauge. Die Bilder strömen und es ist ein Fluß an Gedanken und Eindrücken.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s