Steppen, furzen, sterben

„Those who believe in telekinetics, raise my hand.“

Das angekündigte Zweitblog sollte inzwischen längst eröffnet sein, aber der Einleitungstext ist noch nicht einmal fertig. Mir fehlt gerade die Energie zum Schreiben.
Dabei gibt es genügend Dinge, zu denen ich mich gerne äußern würde.
Ein wenig geht es mir wie Gerd Ewen Ungar, der in seinerm vorletzten Blogeintrag erklärt, warum er eine Schreibblockade hat. Auch der Kiezneurotiker fasste die Tage gut zusammen, wie verstörend die Zeit ist, in der wir leben, und wie dabei sein innerer Kompass durcheinander gerät.
Mir geht es nicht anders.
Ich schreibe nicht, weil ich nicht weiss, wie ich all das, was in mir gärt, und was mir Sorgen macht überhaupt zu Papier bringen soll, und weil ich nicht ständig über das Schlimme in der Welt lamentieren möchte, gleichzeitig aber dem Banalen keinen Raum geben kann, weil sich das  so unpassend anfühlt, als würde ich auf einer Beerdigung steppen.
Was mich an eine Geschichte des verehrten Kurt Vonnegut erinnert, über einen Außerirdischen, der auf die Erde entsandt wird, um die Menschheit zu retten, indem er ihr die notwendigen Informationen gibt, wie sie den bevorstehenden Weltuntergang abzuwenden sei.

English: Dollhouse chair, with a match as a sc...

Der Außerirdische, ein winzig kleiner, spindeldürrer Mann in einem cremefarbenen Anzug und mit feuerroten Haaren, landet nun in irgendeiner verqualmten, düsteren Bar in Manhattan, in der sich erschöpfte Arbeitnehmer das erste Feierabendgetränk genehmigen.
Er spricht kein Englisch und kann nur kommunizieren indem er steppt und furzt. So steht er also auf dem Tresen der Bar, steppt und furzt was das Zeug hält, und tut alles um die Aufmerksamkeit der beiden Männer auf sich zu ziehen, die dort sitzen und sich unterhalten.
Plötzlich greift einer der beiden nach ihm, nimmt ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, drückt seinen Kopf mit brutaler Gewalt gegen eine dunkle Wand und radiert ihm den Schädel an der rauen Oberfläche weg.
Dann wirft er den Toten nachlässig in den Aschenbecher und fragt in die Runde, ob irgend jemand noch ein Streichholz für ihn hat.
Er habe das letzte gerade verbraucht.

Enhanced by Zemanta

22 Kommentare zu “Steppen, furzen, sterben

  1. Das war gerade der Auftakt. :-)

    Übrigens wundere ich mich, dass WordPress immer wieder meine Texte zerfleddert, mitten im Text die Schriftgröße ändert, und bei dem Versuch das Ganze irgendwie in Ordnung zu bringen, gleich den ganzen Text löscht, oder zumindest große Teile davon.
    Dann fange ich wieder von vorne an…
    Kennst du das auch? Oder irgend jemand sonst?

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  2. Ich liebe Vonnegut. Er scheint selbst von einem anderen Planeten gewesen zu sein.

    Wenn du nicht schreiben kannst, dann gönne dir doch eine Pause. Es ist ja wahr, dass zu viel in der Welt los ist. Aber es war schon immer so. Die Menschheit, von wenigen abgesehen, ist verrückt und das macht die die wenigen womöglich auch krank.

    Freue dich auf den kommenden Frühling !

    And so it goes.

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  3. Nein, das kenne ich nicht. WordPress bastelt zwar ständig an Neuem und so zeigt sich das Layout im Backstagebereich immer leicht verändert, aber ansonsten macht das Programm, was ich will :-)

    Danke für die Erinnerung an Vonnegut. „Blaubart“ fand ich so gut, dass ich es verlieh, auf Nimmerwiedersehen. Und das wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr aufgelegt, merkwürdig.

    Vonnegut war ein Liberaler im besten Sinne, glaube ich.

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    • Ja, das war er.
      Er war klug und liberal, und ein Menschenfreund.

      Ich habe gerade wieder ein Teil seiner Bücher, die ich verliehen hatte, und die ebenso für immer verschwunden sind, antiquarisch bestellt.
      Sehr zu empfehlen: Die Sirenen des Titan.
      Und natürlich *Schlachthof 5*.
      Aber auch *Galapago*- eigentlich alle.

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    • Irgendwie habe ich mich vertippt, glaube ich.
      Ich wollte nur erklären, warum ich gerade wenig schreibe, und das liegt vor allem an der überwältigenden Zahl an großen Themen, die die Weltgeschichte bereit hält. Da scheue ich mich mit meinen banalen Geschichten das Internet vollzuschreiben. Andererseits weiß ich gar nicht wo anfangen, bei der Fülle an Themen. Deswegen verwies ich auf Gerd Ewen Ungar. Der hat es einfach gemacht. Er schreibt über seine Schreibblockade, und seitdem geht es wieder.
      Magisches Denken, bzw. Schreiben.
      Da ich aber so gerne schreibe, werde ich wohl weiter machen mit meinen Miniaturen.

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  4. meine liebe,

    sein innerstes nach außen zu kehren und stilistisch gut rüber zu bringen ist wohl alles andere als banal!!

    und scheiß auf das weltgeschehen…………….die welt dreht sich auch ohne uns – wenn du für dich rausgefunden hast, daß du gerne deine geschichten bloggst, dann ist das auch ein impuls an die welt da draußen!

    also – laß es einfach weiter rocken!!

    herzlichst
    kalyspo

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