Das Berliner Schloss

Berliner Schlüssel, Doppelschlüssel, nur in Be...

Berliner Schlüssel, Doppelschlüssel, nur in Berlin verwendet (Photo credit: Wikipedia)

Um ein Berliner Schloss aufzuschließen, braucht man einen Berliner Schlüssel.
Dieser unterscheidet sich von herkömmlichen Schlüsseln durch das Vorhandensein zweier identischer Bärte.
Nach dem Aufschließen des Schlosses, muss man den Schlüssel ganz durch das Schloss stecken und von der anderen Seite abschließen um ihn wieder heraus ziehen zu können.
Der Schlüssel lässt sich zudem nur bei geschlossener Türe herumdrehen. Man muss also die Türe schließen, bevor man das Schloss wieder verriegeln kann.
Ausgetüftelt wurde das Ganze von dem Berliner Schlossermeister Johann Schweiger, der damit den Traum vieler Hausbesitzer wahr gemacht hat: jeder Bewohner muss die Haustüre gleich nach dem Aufschließen auch wieder abschließen (Schließzwang).
Nur mit einem speziellen Hauswartschlüssel kann der Schließzwang ausgeschaltet werden.
Schweigers Firma, die Albert Kerfin & Co GmbH, meldete den Doppelbartschlüssel vor 101 Jahren, also 1912 zum Patent an, welches 1925 erteilt wurde.
Besonders nach 1945 wurden unzählige Berliner Häuser mit dem einzigartigen Schließsystem ausgerüstet.
Vor allem in Arbeiterbezirken wie Kreuzberg und Wedding hatte schon bald die Mehrheit der Einwohner einen Doppelbartschlüssel in der Tasche.
Zur Befestigung am Schlüsselbund wurde eine spezielle Halterung erfunden, aus der er bei Gebrauch schnell ausgehakt werden konnte.
Der Weddinger Familienbetrieb Kerfin (gegr.1893) produziert ihn bis heute., die Nachfrage indes ist, dank neuerer Systeme, stark gesunken.
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Als Gegnerin des Schlossbaus, freue ich mich ganz besonders, die Suchmaschinen mit diesem Text füttern zu können.

Bundesarchiv Bild 183-07964-0001, Berlin, Berl...

Bundesarchiv Bild 183-07964-0001, Berlin, Berliner Schloss, Ruine (Photo credit: Wikipedia)

20 Kommentare zu “Das Berliner Schloss

  1. So einen Durchsteckschlüssel hatte ich auch, als ich vor 30 Jahren nach Moabit zog. Ist irgendwann der Modernisierung zum Opfer gefallen, nachdem es keine Hauswarte mehr gab. Dazu passte, dass es damals auch keine Klingelanlagen gab und man nach acht Uhr abends aus der nächsten Telefonzelle (Taschentelefone gab es auch noch nicht) für zwei Groschen bei den Freunden, die man besuchen wollte, anrief, um sie zu bitten, in fünf Minuten die Haustür zu öffnen.

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    • War gar nicht so schlecht damals, oder? Mehr Privatleben, nicht immer erreichbar sein.
      Ich hatte auch noch so einen Schlüssel. War zwar umständlich und groß, aber ich mochte das Ding.
      Taschentelefon. Schönes Wort!

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  2. Das Leben schreibt mitunter die urkomischsten Geschichten..:-) – Das ist wirklich Realsatire pur. Aber ob und wann und unter welchen Umständen das Berliner Schloss jemals fertig wird… the answer is blowing in the wind.

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    • Liegt wohl daran, dass ich nie abschließe. Die Vorstellung, einem Schließzwang gehorchen zu müssen, erscheint mir, ehrlich, irgendwie grotesk. Ich würde so ein Schloss nicht haben wollen.

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      • Nee, gibt es nicht. Hab aber sogar zwei Schlüssel, hab gestern gleich mal geschaut…
        Was ich so krass finde, es gibt so viele Leute in Berlin, die sich soooo als Berlin-Kenner ausgeben und mich dann schräg anschauten – was dass denn für nen Scheiß Schlüssel wäre…so voll uncool…

        Seitdem ich den Schlüssel nicht mehr nutzen kann, muss ich dem Pizza-Boten immer vor die Haustür begleiten, weil er sonst nicht mehr raus kommt (Hinterhof)…
        Ich fand den Schlüssel ziemlich praktisch!

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  3. Endlich weiß ich, wie dieses spezielle Schloss heißt! Habe ich immer in Westdeutschland erklären müssen, die kennen das gar nicht. Für mich eine tolle Erfindung, weil man immer weiß, dass man abgeschlossen hat. Als dein Text erschien, war ich gerade selbst eingeschlossen, daher mein etwas später Kommentar, liebe T.

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    • Eine tolle Erfindung, ja.
      Hab Deinen Kommentar erst eben kapiert, nachdem ich die ganze Zeit darüber nachdachte, ob das irgendeine Anspielung sein könnte. Eingeschlossen, ausgeschlossen, weggeschlossen.

      Zum Glück biste jetzt wieder da wo Du sein willst!

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  4. Huh! Wieder was gelernt!
    Allerdings würde es mich unendlich nerven, jedesmal aufschließen zu müssen, wenn ich aus dem Haus will… Warum haben die nicht einfach draußen einen Knauf angebracht, dann kommt auch Keiner rein, der nicht soll?

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    • Hab ich eben behauptet ich wisse nicht wozu?
      Schließzwang natürlich! Der Berliner Schlüssel garantiert Dir, dass Du ebgeschlossen hast. Kein fragendes Kopfkratzen im Kino (ist die Tür auch zu?). Man weiß immer, dass alles in Ordnung ist.
      Ein Türknauf hält, zumindest hier in Berlin, niemanden davon ab ein Haus zu betreten.

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      • Nein? Ich habe außen so einen nicht-drehbaren Knauf, seit der Mieter mich wahnsinnig machte, indem er immer die Türe von innen und außen abschloß (fühle mich wie im Gefängnis, wenn ich nicht einfach so aus meinem eigenen Haus rauskann) – da kommt dann auch Keiner rein Außer Dem, der einbrechen will, aber der kommt auch rein, wenn abgeschlossen ist. Dachte ich bis jetzt jedenfalls, aber ich bin ja auch ein Land-Ei *gg*

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