Still, still, still

English: Breast feeding mother Deutsch: Stille...

English: Breast feeding mother Deutsch: Stillende Mutter (Photo credit: Wikipedia)

In Friedrichshain sitzen 3 Mütter in
luftigen Elfenkleidchen und mit freigelegter Brust auf Holzklappstühlen.
Mitten auf dem Gehweg der Wühlischstraße.
In der Ost-West-Achse der vielen Flanierer, die zur Simon-Dach-Straße spazieren, stillen sie ihre Babies.
Autos rollen vorbei, die Straßenbahn zuckelt durch den
Kiez. Es ist heiss und schattenlos.
Hinter jeder Mutter steht ein Mann.
Wahrscheinlich der jeweilige Kindsvater. Alle 3 tragen Bart.
Mit herausfordernd, trotzigen Blicken mustern die 6 sämtliche Passanten auf mögliche Reaktionen.
Ich beisse mir auf die Lippe und versuche ernst auszusehen.
Dem angekotzten Blick einer Mutter entnehme ich, dass mir dies misslungen ist.

Das nächste Mal lache ich gleich.

14 Kommentare zu “Still, still, still

  1. Yeah, Provo-Stillen. Klasse. Gerne auch im Café zwei Meter vor mir direkt im Sichtfeld, so dass ich nicht mehr weiß, wo ich hinschauen soll. Und wenn man dann doch schaut, sind sie sauer, die Egobubble-Bewohner: Ich hab ein Kind und das hier ist meine Welt, die ich vereinnahme. Und wehe, jemand kuckt auch noch falsch während ich mich entfalte. :)

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    • Haha, schön gesagt! ;-) In den 80ern war das öffentliche Stillen auch schon mal Mode, Stillen im Bus, in der Mensa, womöglich noch im Hörsaal… Damals geschah es im Zeichen der Emanzipation – was ich auch schon fragwürdig fand, denn Stillen ist etwas sehr Privates. Heute aber sind es die sozialen Autisten, die das Private öffentlich machen und uns mit Dingen belästigen, die uns nichts angehen und die wir nicht sehen und hören wollen.

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  2. Klingt wie eine Perfomance, haha, ist aber keine. Seltsam, seltsam… Ich hätte mir das Lachen auch verbeißen müssen. Sowas wie Intimität und Privatheit brauchen viele Menschen anscheinend nicht mehr, jedem wird alles aufgedrängt, was man ja auch bei der öffentlichen Telefonsucht gut sieht und vor allem hört.

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  3. Ich möchte nur mal einen Unterschied festhalten, zwischen scheinbarem „Provokationsstillen“, so in einer Gruppe, mit Mann hinter mir habe ich nie gestillt, allerdings fand (und finde!) ich auch nichts Verwerfliches daran, ein Kind in der Öffentlichkeit zu stillen und sehe darin wirklich keine Analogie zum öffentlichen Telefonieren. Babies bekommen nun einmal nicht nur in der Privatheit der eigenen vier Wände Hunger. Sollen sich stillende Mütter also während der Stillzeit in ihren Häusern vergraben, um die kinderlose Gesellschaft nicht zu belästigen? Und was, und das interessiert mich wirklich, ist eigentlich so irritierend, oder gar Störend an stillenden Müttern?

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    • Es stört mich wirklich nicht, wenn Mütter in der Öffentlichkeit stillen. Was sollen sie auch sonst tun, wenn sie mit den Kleinen unterwegs sind?
      Natürlich sollen sie sich auch nicht Zuhause einschließen, und nur noch Mutter sein dürfen.
      Die Situation war einfach grotesk:
      in der Mitte des Gehwegs sitzen sie. Es ist brütend heiss und laut. Nicht eben ein schöner Ort zum stillen Stillen.
      Und dann schauen die gestylten Eltern nicht etwa ihre Babies an, sondern nur die Passanten, ob die gucken, ob die es doof finden, was weiß ich.
      Und immer, wenn ich ernst bleiben soll, muss ich einfach lachen.
      In Berlin gibt es eine Tendenz, dass alles, was intim/ privat ist marktschreierisch in die Öffentlichkeit getragen wird. Private Telefonate, Streitereien, Sex.
      Und glaub mir, die 6 wollten eine öffentliche Performance. Brüllendes Stillen, sozusagen.

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  4. Nichts gegen Stillen im öffentlichen Raum. Eine stille Nische findet sich immer. Diese Vorstellung dagegen, inmitten von Autoabgasen, Straßenlärm und unter ultravioletter Bestrahlung, hat etwas Absurdes. Das Ganze wirkt tatsächlich inszeniert, aber vermutlich nicht in der Absicht, die ich da hinein interpretieren würde…

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  5. Was für eine absurde Situation! Ich hätte da auch nicht ernst dreinblickend dran vorbeilaufen können.

    Ich hab grade überlegt, wann ich hier in Hh zuletzt eine stillende Mutti in der Öffentlichkeit gesehen habe. Jahre ist das her. Eine gute Freundin rannte mit ihrer Kurzen immer panisch ins nächste Restaurant/das nächste Café/die nächste Bar, dort dann auf die Toilette…“Ich mach das doch nicht öffentlich, das gehört sich doch nicht! Da gucken ja alle!“

    Ich für meinen Teil kann nur sagen: Mich stört es nicht, es ist halt natürlich und gehört dazu. Aber wenn es so provokant her gezeigt wird, wie von dir beschrieben…im Ernst, das ist albern. Und muss nicht sein.

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