Old School Dandelion

Wenn ich jahrelang in einem Kiez wohne, dann grüße ich die Leute, denen ich täglich auf der Straße begegne. Ebenso jene, die schon etwas betagter, hohläugig und mit eingefallenen
Wangen, aus dem Parterrefenster schauen und rauchen oder schmatzen.

Altes Ehepaar - old couple

Wieso auch nicht?
Ich muss nicht erst mit jemandem befreundet oder persönlich bekannt sein, um ihn oder sie mit einem freundlichen Nicken zu bedenken. Kostet mich keinerlei Anstrengung.
Und wenn mich jemand (arglos) nett anlächelt, dann lächle ich zurück, auch wenn ich die Person nicht kenne. Weil ich gar nicht anders kann, und weil ich es als vollkommen widernatürlich empfinde eine freundliche Geste zu ignorieren. Ebenso wenig lasse ich eine zum Gruß ausgestreckte Hand einfach ungedrückt in der Luft hängen.
Ist das altmodisch, oder ist das Alte Schule?
Bin ich einfach nur ein putziges Nostalgiehäschen, das verloren in einem Genmaisfeld herum hoppelt und nach Löwenzahn sucht?

regrat (dandelion; Die Kuhblume, der Löwenzahn)

regrat (dandelion; Die Kuhblume, der Löwenzahn) (Photo credit: Wikipedia)

Oder bin ich  ein gut dressiertes Töchterchen, das auch als Erwachsene noch buchstabengetreu die in der Kindheit eingebläuten Regeln befolgt?
Ist mir vollkommen schnuppe, woher diese Höflichkeit und der Respekt vor anderen Menschen kommen. Mir auch egal, ob das irgend etwas bringt. Ich fühle mich wohl dabei.
Wann immer ich in den USA war, hat mich auch dort der höfliche Umgang mit einander erfreut. Den Einwand, dass das doch alles nur oberflächlich sei und sich in Wahrheit hinter der freundlichen Maske menschliche Abgründe und vollkommenes Desinteresse verstecken, kann ich nicht
gelten lassen. Es ist mir, bei flüchtigen Begegnungen, vollkommen gleichgültig, ob die guten Umgangsformen von Herzen kommen oder nicht. Sie sind mir allemal lieber, als die ernst gemeinte schnodderig-unfreundliche Berliner Schnauze, die mich nach Reisen immer wieder wie ein Schlag mit einem kalten, nassen Lappen erwischt. Mitten in die Fresse. Sozusagen.
Rätselhaft, wie Leute es aushalten ständig hart zu sein. Wie es ihnen möglich ist ein Lächeln oder einen Blickkontakt, eine aufgehaltene Tür, eine nette Geste mit eingefrorener Mimik und kaltem Blick zu ignorieren. Und doch ist die ganze Stadt voll mit diesen Zombies. Auf der Straße, in der S-Bahn, im Supermarkt, im Park. In meinem Haus. Überall.  Selbst jetzt im Sommer!
Ein Idiotennachbar, dem ich jahrelang die Tür aufgehalten habe, damit er sein Bike reintragen kann, grüßt mich auch dann nicht, wenn ich ihm im Treppenhaus begegne und ihm mitten ins Gesicht salutiere.

common dandelion

common dandelion (Photo credit: Wikipedia)

Dass ein gewisser Prozentsatz  immer cool tun muss- akzeptiert. Warum aber blicke ich fast nur (noch) in solche verrammelten Visagen. Was ist los mit denen?
Seele verschütt gegangen, oder von Natur aus erst gar keine angelegt?
Vor Jahren hatte ich einen Stalker, der mich eine Zeitlang belästigte, mir auflauerte, und mich sowohl verbal, als auch einmal mit einem Messer bedrohte. Er war der Meinung, dass ich für den Tod meines Vormieters, seinem Saufkumpan, der von einem Auto überfahren worden war, verantwortlich sei. Ich habe ihn nur deswegen ermordet, so argumentierte er, um an dessen Wohnung heran zu kommen. Jahre später begegne ich ihm auf der Straße.
Den kenn´ich doch von irgendwo, denke ich, und nicke ihm sicherheitshalber freundlich zu.
Im gleichen Moment weiß ich wieder, wer er ist und will mich eben über meine Dummheit ärgern, als er mich erstaunt anlächelt und mir vorsichtig einen schönen Tag wünscht.
Auch im Netz finde ich es  angenehm und selbstverständlich,  sich freundlich zu begegnen, und beispielsweise auf Fragen oder hilfreiche Kommentare in meinem Blog angemessen zu reagieren.
Ich strebe nicht an mit allen befreundet zu sein, und mich mit jedem gleichermaßen zu verstehen, aber ich schätze es, wenn die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens auch hier Anwendung finden.
Dieses Bedürfnis teilen in Blogs deutlich mehr Menschen, als angesichts der Meute da draußen zu erwarten war, aber offensichtlich lange nicht alle. Es gibt (einige) Blog-VeteranInnen, die mit ihrer langjährigen Blogger-Gemeinde so eng verwachsen sind, dass sie einen Fremdkommentar zwar freischalten, aber ansonsten ignorieren. Auch auf Fragen antworten sie nicht. Das geht bei einem virtuellen Kaffeekränzchen gerade noch an, wird aber dann befremdlich, wenn es „politische“ Blogs sind, die eine Botschaft in die Welt tragen wollen (oder vorgeben dies zu tun). Ich stelle eine Frage zum Thema, oder gebe eine Information, die im Verlauf der vorangegangenen Kommentierung noch keine Erwähnung gefunden hat. Keine Antwort. Keine Reaktion. Nichts. Die Diskussion läuft so weiter, als hätte es meine Frage nicht gegeben.
Naja, denke ich, ist wohl irgendwie untergegangen.
Unverdrossen stelle ich bei einem späteren Artikel wieder eine Frage oder bitte um Auskunft seitens der Experten. Die gleiche Null-Reaktion.
Allerdings sehe ich anschließend in meiner Blog-Statistik, dass einige Leser der Veteranen auf mein Blog gekommen sind, um hinter der Gardine mal zu schauen, welche Neigschmeckte sich da immer wieder einmischt. Am Ende entsteht bei mir der Eindruck in eine Kleingartenkolonie mit langjährigen Anrainern geraten zu sein, die alle Regeln kennen, sich exakt daran halten, aber nicht bereit sind Neuankömmlingen diese zu erklären. Und sei es, dass die Regel hieße: Zutritt nur für Mitglieder. Kleiner Tip: Blog privat führen und Freunde und Spezis dazu einladen. Aber wer will schon zugeben, dass er nicht offen für Neues ist? Eher wird mit zusammen gekniffenen Lippen geschwiegen.
Wie in jener Bamberger Gaststätte, in die es mich vor Jahren mit meinem Bruder verschlug.
Als wir den Raum betreten, verstummen augenblicklich alle Gespräche. Das gesamte
Essen über bleibt es unangenehm still. Nur hier und da verhaltenes Murmeln und verstohlene Blicke. Erst als wir das Lokal verlassen, wird es lauter.
Von draußen hören wir das wieder einsetzende Poltern der Bayerischen Provinz.

Cornfield, canton of Bern, Switzerland

Cornfield (Photo credit: Wikipedia)

Irgendwann kapiert dann sogar das Häschen, dass es in einer Monokultur, in der sich Habitus, Meinungen, Sprache und spezielle Ausdrucksweisen aneinander angepasst haben, keinen Löwenzahn zu holen gibt.

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.

25 Kommentare zu “Old School Dandelion

  1. tikerscherk, Du sprichst mir sowas von aus der Seele. Eine Kultur des Unfreundlichseins unter der Maske der nassforschen Coolness. Es nervt, es stößt ab, und am Ende des Tages ödet es nur noch unendlich an.

    Manchmal habe ich, genau wie Du, beim Lesen (deutscher!) Blogs das beklemmende Gefühl, in den Mief einer Schrebergartenkolonie geraten zu sein, wo zwischen jeder Gartenzaunlatte das behagliche ‚mir-san-mir-gegen den-Rest-der-Welt‘-Gruppenfeeling herausdünstet, wo es die Alteingesessenen unglaublich zu befriedigen scheint, Neuankömmlinge spüren zu lassen, dass diese keinesfalls dazugehören zum ‚inner circle‘, wo statt freundlicher, neugieriger Offenheit ein starkes Bedürfnis nach Sichabschotten kultiviert wird. Fehlen nur noch die wachsamen Gartenzwerge, die das heilige Terrain nach außen abstecken. Einfach nur öd, das Ganze, um genau zu sein: uröd.

    „Monokultur, in der sich Habitus, Meinungen, Sprache und spezielle Ausdrucksweisen aneinander angepasst haben“ und fremdes Unkraut unerwünscht ist. tikerscherk, tu mir einen Gefallen und bleib ein wilder Löwenzahn, bitte! Ich freue mich so, dass es Dich gibt.

    Gruß aus der ungejäteten, ungezäunten Unkrautwildnis.

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  2. Auch ich grüße meine Nachbarn und andere gern, lieber auch mit einem „Guten Morgen!“ als mit einem schnöden „Hallo!“. Allerdings finde ich diese geschäftsmäßige Freundlichkeit, mit der man in den USA und in Baden und Schwaben ständig konfrontiert wird, unerträglich. Nachdem ich das mehr als drei Jahre in Karlsruhe ertragen musste, war ich sehr froh, als ich nach Berlin kam, wo niemand aus seinem Herzen eine Mördergrube macht.

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    • Ich bin schon zufrieden, wenn jemand „Hallo“ sagt oder mich freundlich annickt. Zumindest empfinde ich das als eine normale Reaktion, nachdem man gegrüßt hat. Manchmal wünschte ich mir, dass beispielsweise die Damen von der Post, oder die Angestellten der Deutschen Bahn eine Mördergrube aus ihrem Herzen machen würden.
      Und oft tue ich mir sehr schwer mit der Berliner Schnauze.
      Kommst du ursprünglich aus Berlin? Wenn ja, bist du vielleicht einfach da rein gewachsen, und erkennst Feinheiten, die mir als Zugezogene oft verborgen bleiben.
      Was ich erst lernen musste, ist, dass man in Berlin häufig angepflaumt wird, sobald man aber Paroli bietet die Weichen für eine konfliktfreie Kommunikation gestellt sind.
      Eine Berliner Freundin, mit der ich mal in Augsburg war, fühlte sich ständig auf den Arm genommen, weil alle so freundlich waren. Sie hatte das Gefühl, dass doch irgendwo die versteckte Kamera sein müsse.
      Ihr ging es wie dir. Sie war froh, als wir wieder hier waren, weil sie die täglichen Reibereien authentischer fand als das ewige „Grüß Gott“.

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  3. Fühle mich an die BesucherInnen von außerhalb erinnert. Mehrfach geschehen: wenn wir durchs Dorf laufen „Moin“ aus jedem Garten.BesucherIn, erstaunt: „Kennst Du die alle???“ Ich „Nö, aber hier ist es üblich, daß man grüßt!“ „BesucherIN: „JEDEN?“
    Tjä…
    Im Netz ist mir allerdings noch nicht passiert, was Du da schilderst. Es gibt aber einige Blogs, von deren BetreiberInnen immer dann- und aber auch auffällig NUR dann- ein Kommentar in meinem Blog erscheint, wenn ich grad einen hinterlassen habe.
    Erst dachte ich noch: gut, da wurde durch meinen Kommentar halt Jemand wieder dran erinnert, mal wieder bei mir reinzuschauen. Aber nach einigen Malen war der Zusammenhang so klar (auch dadurch, daß Kommentare ausschließlich im neusten Beitrag erscheinen und manchmal ganz klar kein Interesse an dessen Inhalt zu erkennen ist) , daß ich mich über diese Kommentatoren dann gar nicht mehr so recht freuen kann.
    Ungeschriebene Regeln….

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    • Als ich letztes Jahr im Allgäu war und mich wirklich jeder Mensch, dem ich im Wald oder auf dem Berg begegnet bin gegrüßt. Erst war ich befremdet, zumal dort Gott gegrüßt wird, und dann fand ich es doch ganz schön. In Norddeutschland habe ich diese Freundlichkeit ebenso erlebt, und auch hier habe ich mich immer wohler gefühlt, als in der als Grußlosigkeit meiner Nachbarschaft.
      Ob es da nicht einen gewaltigen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt?
      Was du über Kommentare im Blog schreibst, so habe ich damit bislang keine blöden Erfahrungen gemacht. Es gibt ein paar Leute, die immer dann „Gefällt mir“ klicken, wenn sie selbst gerade einen Artikel veröffentlicht haben. Vermutlich in der Erwartung, dass ich mich revanchiere. Ich glaube, dass einige meine Beiträge nicht einmal lesen, sondern blind drauflos „liken“.
      Das ist mir aber ziemlich egal. Mich ärgert nur diese bornierte Arroganz mancher BloggerInnen, die ich vesucht habe zu beschreiben.
      Klar gibt es ungeschriebene Regeln. Wenn die Regel aber nur heisst: du bist neu hier und darfst nicht mitmachen, dann ist das wirklich öd, bzw. uröd, wie Mrs. Mop schreibt.

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  4. Schade, dass Du in Berlin wohnst. Ich würde Dir gern mal begegnen, Dich freundlich anlächeln, grüßen, ein paar Worte reden und Dir dann einen schönen Tag wünschen! :-) Du hast einen menschenfreundlichen, herzlichen Artikel geschrieben- aber in Sachen Löwenzahn empfinde ich Dich als zu pessimistisch! Löwenzahn wächst ÜBERALL- und es gibt ganz sicher noch diverse andere „Häschen“, die danach suchen und sich sehnen. :-)

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    • Ich fühle mcih jetzt angelächelt, danke! Ja, du hast recht. Es gibt überall Löwenzahn. man muss ihn in der Monokultur genmanipulierter Blogrolls halt finden.
      Aber ich möchte mich gar nicht beschweren. Es gibt hier wirklich ein paar tolle Ecken zum Mümmeln.

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  5. Oh, da hast du ja nun einige verschiedene Themen in einem Blogpost vermischt: Alter, Berlins berühmte Biestigkeit, Psychopathen, Anonymität, gute Kinderstube, Stalking, Filterbubble der Blogger.

    Ich habe zu zweien etwas zu sagen:

    1. Bei mir ist das anders: Ich möchte meine Nachbarn nicht kennen. Das mag daran liegen, dass es zum größten Teil Arschgeigen sind, die mit Blockwartsaugen auf die Mülltrennung achten, aber kein Problem damit haben, den Innenhof so flächendeckend mit ihren Holland-Fahrrädern zuzukacken, dass man mit zwei Mülltüten kaum noch an die Tonnen rankommt.
    Sie beschweren sich über mein Kind, wenn es brüllt (ja, natürlich kann es eine halbe Stunde lang brüllen, aber es ist eben ein Kind, so sind die manchmal), reißen aber mit ihren Arschbratzen von Teenagern Samstags um 7 Uhr morgens das Treppenhaus akustisch ab, worauf meine ganze Familie inklusive Kind aus dem Bett fliegt.
    Sie haben meinen Lieblingsnachbarn, einen alten freundlichen Mann, der hier schon seit Ostzeiten wohnt, rausgemobbt, seine Wohnugn entkernt und jetzt wohnt eine weitere egomanische Biofamilie da drin, die als erstes den Treppenabsatz vor meiner Wohnung mit stinkenden Pflanzen zugeschissen hat, die in meine Wohnung modern. Vergisses. Ich mag sie nicht. Ich brumme nur, wenn sie grüßen, einige grüße ich gar nicht zurück, weil ich sie hasse. Und sie sollen das wissen.

    2. Blogs/Kommentare: Ich antworte nur auf Kommentare, wenn ich auch wirklich was zu sagen habe. Oft genug stehen Kommentare für sich. Abschließend. Mir fällt dann nichts dazu ein, weil es gute Kommentare sind, die den Nagel auf den Kopf treffen. Und unter allen „Dufte“ oder „Supi“ drunterzuschreiben, nur damit ich geantwortet habe, bring ich nicht. Ich denke, das wissen auch die, die bei mir kommentieren. Ich spreche nur, wenn ich etwas zu sagen habe, genauso halte ich es mit dem Schreiben.
    Du hast absolut recht, viele Blogs, gerade im politischen Spektrum baden in ihrer eigenen Filterbubble und blicken – wenn überhaupt – mit Häme über den Tellerrand. Zu viele sind zu zynisch, zu beschränkt und oft einfach nur zickige biestige Diven, von denen ich mir nur erhoffe, dass sie in diesem Land niemals Macht bekommen werden.

    Dabei steckt in der Vernetzung von Blogs so viel Potenzial – als Alternative zu Facebook und Co. Schade.

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    • Die Nachbarn über die du schreibst sind ja ganz offensichtliche Arschgeigen. Die würde ich auch nicht grüßen. Wobei ich Pflanzen im Treppenhaus ganz ok finde. Wenn die Familie, der sie gehören aber eh nervt, dann würden die mich vermutlich auch stören.
      Ich hätte auch den Stalker nicht gegrüßt, wenn ich ihn erkannt hätte. Es ist also nicht so, dass ich mit jedem Menschen Harmonie suche. Ich kann durchaus streitbar und auch eiskalt sein, wenn angemessen.
      Wenn ich aber jemandem die Tür aufhalte, jemanden anlächle und grüße, mich bedanke, mich interessiert zeige etc., und ich spreche hier über Leute mit denen kein Konflikt am Schwelen ist, dann kapiere ich nicht, wieso ich auf eine Stahlwand aus Schweigen und Kälte stoße.
      Zu den Kommentaren im Blog: ich bemühe mich jeden Kommentar zu beantworten. Manchmal vergesse ich einen. Das Blog ist soetwas wie eine Küche, wie Frau Montez schreibt. Und wen ich in meine Küche gelassen habe, den behandle ich wie einen Gast.
      Klar, manche Kommentare stehen für sich, die muss ich nicht ergänzen.
      Manchmal fallen mir auch Dinge ein, die ich lieber als Privatnachricht schicken würde. Diese Funktion gibt es hier leider nicht, und dann schweige ich auch mal aus Ratlosigkeit oder aus Betroffenheit. Kennst du ja auch.
      Wer bei dir kommentiert, weiß, dass du nicht auf alles antwortest (ist das vielleicht auch ein bisschen frauenspezifisch am Gartenzaun zu quatschen, während Männer eher überflüssiges Gequatsche?) Wenn du aber eine Frage gestellt bekommst, dann antwortest du immer.
      Und das ist das, was ich meine.
      Du bist eben kein arroganter Sack, der sich nur mit seinem angeranzten Hofstaat umgibt. Zum Glück!

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  6. Jajajajaja, alles ja! Na fast. Natürlich Menschen grüßen, die man häufig sieht. Und nicht beirren lassen. Ich war immer wieder beeindruckt, wie die (italienischen) Damen und Herren, die das alteingesessene (italienischen) Restaurant im Nebenhaus irgendwann übernommen hatten, fast tagtäglich das neutral bis unfreundliche Nenochniegesehengehabe zelebrieren konnten. Hatten sich vortrefflich in B. assimiliert. Mein iranischer Schuster winkte und brüllte dagegen drei Blöcke weit, wenn er meiner angesichtig wurde. Was nicht heissen soll, irgendwas stehe in Zusammenhang mit Nationalität. Höflichkeit und der Respekt vor anderen Menschen, so ist es.

    Diese Gefühl kenne ich auch aus Bloggersdorf. Ich erlebe das ganz unterschiedlich. Manchmal kommt man sich vor, als platze man lauthals in eine Party, auf die man nicht eingeladen ist (aber die Tür war doch offen?). Und merkt erst nach einer Weile auch noch, dass sich die Leute dort alle in Geheimsprache unterhalten.

    Manchmal kommt dann aber jemand, hält einem ein gefülltes Glas hin, ich bin die Susi, das da drüben ist mein Bruder Horst mit seiner Frau Gabi, das hier die Traude uswusf. Ja. Und dann wird es doch noch ein schöner Abend.

    Manchmal drück ich mich auch ohne Vorstellungsrunde noch eine Weile rum. Klaube ein paar Erdbeeren vom Buffet, trinke ein hastiges Bier und verschwinde dann. Unauffällig.

    Interessant empfinde ich das auch andersrum. Das Fremdeln. Eigentlich noch stärker.

    Ich freu mich jedenfalls immer, wenn Sie in meiner Küche rumhängen!

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  7. Dass ich zum Beispiel kaum Leser von den Alteingesessenen für mich gewinnen kann/konnte. Ausser zwei ganz alten Hasen, die sich direkt von Anfang an bei mir rumgetrieben und vor allem kommentiert haben. Was mir viel Mut gemacht hat, denn man steckt ja immer voller Selbstzweifel (ich jedenfalls), ob der Schmarrn den man da verzapft, überhaupt wen interessiert.

    Ich hab aber insgesamt das Gefühl, dass die Neublogger sich zumeist mit den anderen Neubloggern leichter tun. Ich mag mich irren.

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  8. Also, ich bin ebenfalls eine Zugereiste hier im Hauptstädtchen und habe offensichtlich eine ähnliche Sozialisation von Grundfreundlichkeit und Grüßen mitbekommen, die ich hier oft vermisse. Allerdings ist mir beim Lesen deines Artikels und der Kommentare aufgefallen, dass das offensichtlich auch mit einer Entwicklung zu tun hat, die in meinem Ex-Kiez in Fhain zu einer „neuen“ Nachbarschaft geführt hat. Als ich dorthin zog, gab es noch die Oma im Kittel, die mit Kissen und Katze im Fenster lag, die sich über das Grüßen freute. Und auch in meinem Ex-Haus kannte man sich und plauderte im Treppenhaus miteinander.
    Inzwischen sind wir in alle Winde aka Bezirke verstreut und ich bin im unaufgeregten Baumschulenweg gelandet. Hier ist alles wieder einen ganzen Zacken ruhiger… Ich grüße weiterhin :-)
    Bei den richtigen „großen Blogs“ lese ich nur mit aus ähnlichen Gründen…

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    • Ja, auch in meinem Kiez gab und gibt es die von dir beschriebene Entwicklung. SO36 war lange Zeit mein Dorf. Man kannte den Bäcker, die Leute vom Fahrradladen etc, und man grüßte sich. Das hat sich sehr verändert. Die Alteingesessenen nicken sich noch nett zu, allerdings gibt es nicht mehr so viele. Erschreckenderweise gibt es kaum noch alte Menschen hier. Und das Eckkneipensterben ist ja auch ein sicheres Zeichen einer zerbrechenden Sozailstruktur.
      Aber nicht nur das stört mich. Mich kotzt es an, wenn ich, egal wo in Berlin, jemandem Vorfahrt gewähre, nicke, grüße, Tür aufhalte etc.und null Reaktion bekomme. Ebenso finde ich es sehr unfreundlich, wenn in einem Blog, das immerhin eine Kommentarfunktion bereit hält, derart arrogant mit NeuleserInnen umgegangen wird. Das ist auch bei nicht so großen Blogs manchmal der Fall. Entscheidendes Kriterium scheint zu sein, dass es sie schon ein paar Jahre gibt.
      Aber sollen sie doch. Ich treffe ja auch so einige wirklich tolle Leute hier, wie mir allein die Reaktion auf meinen Artikel zeigt.

      (P.S.: Baumschulenweg ist aber auch schon im Kommen, oder?)

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      • (Wir hamm noch ne Eckkneipe im Souterrain…)

        Beim ersten Kommentar wollte ich noch einen Absatz zu den „alteingesessenen Blogs“ machen, dachte mir aber, dass ich vielleicht keinen so extrem langen (aka „Co-Referat“) schreiben sollte… Das Ignorieren ist wirklich blogübergreifend vorhanden: ob beim Kochblog oder beim politischen, Foto- oder Haustier… war gerade Thema am Wochenende im Freundeskreis..

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        • Schreib ruhig, soviel wie du möchtest, Gruppenreferate fand ich immer ganz gut.
          Ja, das Ignorieren ist themenübergreifend, stimmt schon. Allerdings finde ich es bei Weltverbessererblog schon ein bisschen schwach, wenn sich die Etablierten immer nur gegenseitig bebauchpinseln und die weisen Bärte zwirbeln….

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  9. Ich möchte mich zur Grüßerei äußern. Gehe ich morgens spazieren, treffe ich immer die gleichen Leute. Ich kenne sie vom Sehen, mehr aber auch nicht. Dass wir einander grüßen ist selbstverständlich, macht man hier halt so, wenn sich Gleichgesinnte begegnen. Ich könnte allerdings auch drauf verzichten, denn wenn ich auf einer Strecke von 5 km 27 mal Moin, moin-moin gesagt habe, sinkt meine Laune eher als dass sie steigt. Es nervt irgendwie.
    Ebenso auf Campingplätzen. Ich habe absolut keine Lust und auch kein Interesse daran, jedem, dem ich da begegne, den ich vor dieser Begenung nie gesehen habe und auch nie wieder sehen werde „Guten Morgen, Morgen, Moin, moin-moin, grüß Gott… “ zu sagen. Manche scheinen das als Sport zu betreiben nach dem Motto: heute habe ich noch vor dem Frühstück 17 Leuten „grüß Gott“ gesagt….
    Ein freundliches Lächeln genügt meiner Meinung nach.

    Die engsten Nachbarn – die man mag – zu grüßen, gerne, auch mit strahlendem Lächeln und einem netten Schwatz, aber jeden Wanderer, jeden Camper, jeden Radler zu grüßen – nee, nicht wirklich.

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    • Verstehe ich. So oft grüßen, und das am frühen Morgen…
      Das erwarte ich auch nicht. Ich meine die ganz normalen höflichen, menschenfreundlichen Gesten. Nicken, Lächeln, sich bedanken und das den direkten Nachbarn mit einem netten „Hallo“ begegnen.
      Mir fehlt das manchmal.

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  10. Das ist ein wirklich schöner Artikel, tikerscherk..:-) – Mir hat die Freundlichkeit der Amerikaner im Umgang miteinander auch immer gefallen. Einmal bin ich in dichtem Morgennebel über die Brooklyn Bridge marschiert. Ein mulmiges Gefühl im Bauch hatte ich schon, aber von den paar Joggern und Radlern, die auch unterwegs waren, hatte jeder ein Hi und ein – so habe ich es damals empfunden – aufmunterndes Lächeln für mich übrig, und das hat unglaublich gut getan. Ja, ich erinnere mich heute noch an jeden einzelnen von ihnen…

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