Afterwork Punkrock

afterwork punkrock

afterwork punkrock (Photo credit: mkorsakov)

Manchmal bin ich überrascht, wie erwachsen ich reden und schreiben kann.

Dass ich zu vielen Dingen eine eigene und häufig sogar fundierte Meinung habe.

Dass ich 3sat und arte schaue, Lyrik liebe, Zeitschriften abonniert habe, Wein trinke, Tischsitten beherrsche, kochen kann. Verschiedene Sprachen erlernt habe. Einen eigenen Hund habe, der zudem noch ziemlich gut erzogen ist.

Die Katzen nicht so.

Dass ich mich um alle Belange meines Lebens selbst kümmern kann, und mich wie ein gut programmierter Robot durch diesen Gemischtwarenladen bewege.

Dass ich Rechnungen bezahle und eine Steuernummer habe.

Dass ich große Lieben und Verluste hatte.

Dass der erste Liebeskummer  lange zurückliegt, und der letzte auch.

Dass ich schon 6 Haus- und Wohnungsbrände, einen Autobrand, einen Hotelbrand, 1 Kinobrand, 1 Geisterfahrer, 1 Flugzeugabsturz, 1 bewaffneten Raubüberfall, Autounfälle, Krankheiten und diverse andere Katastrophen erlebt habe und so oft unversehrt davon gekommen bin.

Dass ich Patenkinder habe, denen ich Dinge schenke, über die ich mich als Kind gefreut hätte.

Dass ich das kleine Mädchen mit den kurzen Zöpfchen links und rechts war, dass auf der Weide steht und Angst vor einem Schaf hat.

Dass ich die 14Jährige war, die sich die Haare absäbelt, Punkrock hört und mit Substanzen regelmäßig das Gehirn ausschaltet.

Dass ich tatsächlich ein Studium abgeschlossen habe.

Dass ich ins Casino gehe und dort Roulette spiele.

Dass ich große Entscheidungen ganz alleine treffen und dann auch durchziehen kann.

Dass ich die war, die immer bei mir war, und die ganz unbemerkt erwachsen wurde.

———————————————-

Lyrik: Gottfried Benn,  Nur zwei Dinge

Musik: Cat Stevens, Child For A Day

12 Kommentare zu “Afterwork Punkrock

  1. „6 Haus- und Wohnungsbrände, einen Autobrand, einen Hotelbrand, 1 Kinobrand, 1 Geisterfahrer, 1 Flugzeugabsturz, 1 bewaffneten Raubüberfall“
    Echt jetzt???? Boah, erst jetzt wird mir klar, wie öde und ereignislos mein Leben ist (und immer war). Nicht, daß ich irgendetwas davon jetzt möglichst schnell erleben möchte, aber NICHTS davon habe ich je erlebt!
    Und auch sonst ist diese Zwischenbilanz nicht ohne- *applaudiert mal kurz*

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    • Ach lass mal, ich wäre gut und gerne ohne diese Erlebnisse ausgekommen. Sei froh, dass du ein ruhigeres Leben im schönen Norden führst. Und ereignislos? Das ist überhaupt nicht mein Eindruck.
      Mit dem Feuer, das war schon rätselhaft. Nach einem Hausbrand wohnte ich vorübergehend im Hotel. Dann brannte es auch dort. Nachdem auch noch mein Auto in Fammen aufging, fing ich an mir Gedanken zu machen.
      Die haben aber zu nix geführt, muss ich leider bekennen. :-)

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      • Neeee, ich bin wirklich nicht neidisch, DARAUF nicht *gg*
        Also, bei so viel Feuer nacheinander, da hätt ich mir auch Gedanken gemacht- ich hoffe, die Serie ist lange schon abgerissen…

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        • Zum Glück ist diese Serie schon lange abgerissen. Danach kam die Luft-Reihe. Ein Platten oder geplatzter Reifen nach dem anderen. War das entspannend. Mit Wasser bin ch auch schon durch.
          Was fehlt? Erde? Frage mich, wie sich das äußern könnte. Erdrutsch?

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  2. Bei der Auflistung von Unglücken und Beinah-Katastrophen hab ich auch große Augen bekommen!

    Aber zumindest weiß ich jetzt, mit wem ich es zu tun habe: Du bist enttarnt, Bruce Willis aus „Unbreakable“! :)

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  3. Mein „gefällt mir“-Klicken bezieht sich nicht auf den Inhalt… Puh, das ist aber wirklich heftig, was du an Katastrophen erlebt hast, da kann ich trotz einiger böser Erlebnisse nicht mithalten – und bin auch froh darüber! Alles wird gut ab jetzt, du wirst sehen, nix Erdrutsch! ;-)

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  4. Ja. Ja. Ja. Genauso empfinde ich das auch. Wer hätte das gedacht.
    Und dennoch auf einmal: Hilflosigkeit oder Kopp in den Sand bei Dingen, die Jahre lang verblüffend reibungslos liefen. Dass ich mich GERADE NICHT um alle Belange meines Lebens selbst kümmern kann, und mich wie ein gut programmierter Robot durch diesen Gemischtwarenladen bewege.

    Dass ich Rechnungen NICHT bezahle. Sogar manche Post nicht öffne. War mir vor Kurzem noch unvorstellbar. Merkwürdig. Will sagen, die andere Richtung scheint es auch zu geben.

    Aber: Ausser im Aufzug stecken bleiben, keine Katastrophen, schon gar keine vergleichbaren.
    Gut, dass es immer gut ging.

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    • Oh ja, das kenne ich auch: sich zwischenzeitlich nicht mehr um Rechnungen und das ganze Erwachsenenzeug kümmern können. Aber wir sind, wenigstens theoretisch, in der Lage ein erwachsenes Leben zu führen. Einfach so.

      Wenn der Wnter zu lang war, oder der letzte glückliche Tag zu weit zurück liegt klappt das bei mir auch nicht mehr. Da will ich morgens gar nicht erst aufstehen, mir den Schlüssel im Rücken umdrehen und losmarschieren müssen.

      Die Katastrophen bin ich gewohnt. War schon so, seit ich denken kann.Meine Leute wundern sich schon nicht mehr, wenn der Zahnarzt mir versehentlich in den Knochen statt in die Zahnwurzel bohrt.
      Sonst wäre das nicht ich.

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