Win/ Loss

Im Keller sind alle Verschläge, rings um meinen herum, aufgebrochen und weitestgehend geplündert. Ich ertappe mich, wie sich zu dem Gefühl der Erleichterung auch der Stachel des Argwohns, ja sogar der Missgunst gesellt.
Was geht hier vor, und was ist denn bitte schön an meinem Sperrmüll schlechter, als an eurem? Wieso versucht keiner die 6 Jugendstilstühle, die dort geradezu aufreizend hinter den Holzlatten posieren, bei Ebay als Scheunenfund zu verhökern?
Der Erleichterung und dem Argwohn mischt sich noch ein drittes Gefühl bei: die Sorge. Sorge, dass sie als nächstes meine Buchte aufbrechen und mir kistenweise Erinnerungen und kleine Schätze rauben werden.
Ein größeres Vorhängeschloss wird nicht helfen. Da unten im Keller hat man alle Zeit der Welt, und Leuten, die nicht vor meinem Fahrradschloss kapituliert haben, kann ich damit allenfalls ein müdes Lächeln ab ringen. Vergangenen Sommer haben sie das teure Superschloss meines Fahrrades aufgebrochen, das Rad selbst aber stehen lassen. So, als wollten sie für bessere Bikes üben, oder als hätte man mir nur zeigen wollen, wie lächerlich, weil nutzlos meine Gegenwehr war.
Es gibt keine Sicherheiten
Zwei Mal schon hat die Hausverwaltung in den letzten Jahren einen Aushang gemacht, mit der Aufforderung alle alten, halterlosen und fahruntüchtigen Fahrräder aus dem Hof zu entfernen, da sie ansonsten, an einem festgelegten Stichtag, entsorgt würden. Engagierte Hausbewohner schnappten sich beherzt ihre Bolzenschneider und erledigten zielsicher, wie professionell das Verlangte.

Auf die Nachbarn ist Verlass.

Was mache ich nun also mit meinem Keller? Alles raus räumen, in meiner Wohnung bunkern, um mich dann belagert und übermöbliert zu fühlen?
Den Keller gleich offenstehen lassen, um mein Gesicht zu wahren, und den bevorstehenden Diebstahl derart in eine freiwillige Aktion um zu münzen? Oder gleich, großmütig, Freunden schenken und damit punkten?
Hier, nimm diese wunderschönen französischen Kirschholzstühle von 1900! Brauchst du noch einen Ventilator und ein großes Bücherregal? Bedien dich! Lampen? Einen Radiator? Kistenweise Klamotten?
Der Rest wird an das Kaufhaus der Obdachlosenzeitung Motz gespendet, die das Zeug selbst abholen und sich darüber freuen.
Die einzige Möglichkeit, als Gewinnerin aus der Situation zu gehen.

Sorgenfrei, selbstbestimmt, mit gutem Gewissen vom Überfluss befreit.

So machen wa dit.

2 Kommentare zu “Win/ Loss

  1. Yeah. Prenzlauer Berg in den Neunzigern: Wer was loswerden wollte hat es in den Keller gestellt. Dann war es mit hundertprozentiger Sicherheit weg. Inzwischen ist ruhig, ich warte seit vielen Jahren darauf, dass jemand meinen alten Ikea-Schuhschrank aus meinem Keller klaut, macht aber keiner. Dafür verbreitet sich die Fahrradpest wie ein Krebsgeschwür über den Innenhof – bald brauch ich ne Kletterausrüstung oder eine Klappleiter, um zu den Mülltonnen zu kommen. Oder ich muss mich bald vom Helikopter abseilen. Man schmeißt immer mal wieder ein paar Fahrräder weg, aber es kommen doppelt so viele dazu in kurzer Zeit. Unsere Sorgen in den Zehnerjahren. :)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s