Gottes Apotheke

Reval, Apotheke

Reval, Apotheke (Photo credit: Wikipedia)

Ich schlendere mit einer Freundin an der Undine Apotheke vorbei und freue mich lauthals über den altmodischen Namen, den 60er Jahre Schriftzug und die bürgerliche Schaufensterdeko im Gentrifizierungskiez, als sie mein begeistertes Schwadronieren unterbricht, mich eines Besseren belehrt und mir von ihrer Erfahrung mit dem Laden berichtet.

Und das ist ihre Geschichte:

eine Frau geht zur Gynäkologin, respektive in die Klinik, und danach mit einem dort ausgestellten Rezept zur Apotheke.
Vielleicht hätte sie mal eben, trotz großer Seelennot, recherchieren sollen, was Undine eigentlich bedeutet.

Wikipedia gibt Auskunft:

Undine bedeutet Welle oder Nixe. In der Mythologie ist sie ein weiblicher JUNGFRÄULICHER Wassergeist.

Folglich gibt´s im Schatten der Fotos vom deutschen Papst auch nicht die Pille danach, sondern moralgeschwängerte Kommentare und christliche Besinnungsblättchen.
Zum Glück kennt der Apotheker in der Reichenberger Straße das Problem schon und spendet Trost sowie Pille.
Wie ist es möglich, dass ein verordnetes Medikament nicht ausgegeben wird, insbesondere, wenn es sich dabei um ein Mittel handelt, welches so schnell wie möglich eingenommen werden muss um Abtreibung zu verhindern.
Gilt in der Undine Apotheke das Motto “Every sperm is sacred”?
Was ist denn, wenn man dort Notdienst hat, und kein aufgeklärter Apotheker in der Nähe ist?
Wieso nicht gleich schwulen HIV Patienten ihre Medikamente verweigern im Namen eines liebenden Gottes?
Und wieso glauben jetzt nicht mal mehr die Katholen an die jungfräuliche Empfängnis?
Auf dem alten Backsteingemäuer der Oberschule in der Wrangelstraße stand einige Zeit ein Graffito:

Hätt´  Maria abgetrieben, wär uns viel erspart geblieben

Soweit wollen wir nun wirklich nicht gehen.
Eine Umbenennung der Pharmazie in  Katholischer Medizin- und Seelsorge-Korps würde helfen, damit sich keine Frau mehr eine hardliner-christliche Ohrfeige abholen muss.
Oder man ersetze das “e” am Namensende durch ein “g”, und hat dem Laden damit wahrhaftig geschmeichelt.
Bleibt mir abschließend ein frommer Wunsch:

Möge der Herr dafür sorgen, dass euch die Gentrifizierung dahinrafft wie die Pest, oder besser noch: wie eine Welle!

2 Kommentare zu “Gottes Apotheke

  1. Pingback: Missbrauch « kreuzberg süd-ost

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