ghost of a cat

Wie schnell das herunter gefallene Laub sich zersetzt hat.
Zuerst zeigten die Blätter nur kleine Risse.  Immer mehr davon, und immer deutlicher trat die Blattstruktur hervor.
Der Mittelsteg wie eine Wirbelsäule, ein Mast. Davon abgehend ein Netz zahlloser Verästelungen, die zu den Rändern hin fein und feiner werden.
Das Skelett.
Nach und nach brechen die filigransten Adern, und das Blatt zerfällt.
Von außen nach innen. Von der Peripherie bis zum Zentrum.
Am längsten bleiben die dicken Blattrippen stehen. Wie Überreste eines Bootwracks, oder Gebeine eines Wales.
Dazwischen weicht alles auf, trocknet wieder an und bricht, in geometrisch geformten Stücken, heraus. Jedes anders, alle ähnlich. Mandelbrot´sche Fraktale.
Der nächste Regen lässt die Bruchstücke verklumpen, wie Thrombozyten.
Eine braune, schleimige Masse, die sich über den Winter immer weiter zersetzen und im nächsten Frühjahr bereits zu Erde geworden sein wird.
Erde für die Krokusse, für das Gras, die Sträucher, für die alten Platanen.
Erde, auf der mein Hund sich erleichtern wird.
Erde, die nach dem ersten Frühlingsregen so köstlich duftet. Ein wenig nach Muskat, nach frischen Champignons, nach Moosflechten und Wald, nach Zuhause.
So erdig.
Und nichts mehr erinnert an das Blätterdach des Vorjahres in dessen Schatten man geruht, und dessen grüne Kühle das immerwährende leise Rauschen des Blutes erfrischt hat.

Durch so viele Formen geschritten

Aber erst muss der Winter kommen, und mit ihm die Weissröckchen.
Die poloniumleuchtende Stille, das Erstarren im eisigen Ostwind.
Später dann grauer Rollsplittmatsch, der beim Auftreten ein schmatzendes Knirschgeräusch macht, dabei gegen die Hosenbeine spritzt und weiße Ränder auf den Schuhen hinterlässt.
Erst muss dieses ganze Sterben, der Verlust jeglicher Schönheit und Würde sich vollziehen.
Nichts darf übrigbleiben, außer ein paar Beeren des vergangenen Sommers, die wie verpuppte Blüten an den dürren Zweigen der Büsche hängen.

2 Kommentare zu “ghost of a cat

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