Die Reichen und die Toten

In Rummelsburg wird weiterhin gebaut.
Eigentumswohnungen und Townhouses, versteht sich.
Auch die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Armenhaussiedlung, die in der DDR als Gefängnis diente, wurde inzwischen in käuflichen Wohnraum verwandelt, ebenso wie die Knabenhäuser des ehemaligen Waisenhauses.
Im Schatten des alten Gefängniswachturmes wohnt nun die neue Bürgerlichkeit und zieht dort die nächste Generation groß.

Kaum vorstellbar, dass hier einst die Ärmsten der Armen ghettoisiert wurden und Arbeitsdienst leisten mussten.
Nichts erinnert mehr an sie.

Doch dann wird bei Aushebungsarbeiten im geplanten Mischbaugebiet ein alter Friedhof entdeckt.
Hier wurden Armenhausbewohner und Waise beigesetzt.

Über 1 Jahr hat man nun auf Bezirksebene beratschlagt, ob und wie hier ein Ort des Gedenkens errichtet werden könne.
Am Ende erlagen die Zuständigen dann doch der Verlockung des Geldes.
Die Armen werden exhumiert und ihre sterblichen Überreste auf anderen Friedhöfen Berlins beigesetzt.
Dort sollen sie ihre letzte Ruhe finden.

Bis der nächste Bagger kommt.

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