BSR- Berliner Stadtreinigung

BSR-color

 

Es gibt einen Ort in Berlin, an dem Klaviere ihre letzte Ruhe finden.
Das berichtete mir vor einigen Jahren ein Möbelpacker, dessen Firma, neben Umzügen, auch Klaviertransporte erledigte.
Der Mann erzählte, dass man bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) sein ausgedientes Piano in die Grube fahren lassen könne.
Eigens dafür gebe es eine Art Massengrab, ein klaftertiefes großes Loch nämlich, in das sie geworfen würden.
Er habe höchstpersönlich einige dieser wunderbaren Instrumente ins Jenseits befördert.
Und dann beschrieb er etwas, was mein Herz berührt hat:
wenn ein Klavier stirbt, erklingt bei seinem tödlichen Aufprall in der Grube ein schauderhafter Akkord aus reißenden Saiten, brechenden Pedalen und berstendem Holz, der eine Weile nachhallt ehe es für immer verstummt.
Ein wenig hat mich das an das Märchen vom Tannenbaum (Hans Christian Andersen) erinnert, der nach dem Weihnachtsfest, für das er eigens geschlagen worden war, monatelang auf einem Dachboden gelagert wird und dort seine Rückkehr ins Leben ersehnt.
In der Einsamkeit erinnert er sich wehmütig an den Wald, dem er als junges Bäumchen nicht schnell genug entfliehen konnte, um entweder als Bauholz nach Ägypten verschifft oder besser noch: ein Weihnachtsbaum mit einem goldenen Stern als Krone zu werden.
Als er schließlich im Frühjahr aus der staubigen Dunkelheit seines Verließes erlöst wird freut er sich.
Leben!
Doch statt eingepflanzt, oder erneut geschmückt und von glänzenden Kinderaugen bestaunt zu werden, bricht man seine trockenen Äste ab und wirft ihn Stück für Stück ins Feuer wo er prasselnd verglüht.
Ja, man glaubt noch ein leises Seufzen zu hören als er aufhört zu sein.

 

Neben ausrangierten Klavieren entsorgt die BSR auch vertrocknete Weihnachtsbäume, die von ihren Besitzern nach Gebrauch auf den Gehwegen entsorgt und dort von Hunden und Betrunkenen angepinkelt werden.
Keine Ahnung, ob auch sie am Ende in Flammen aufgehen.
Die BSR kann nämlich noch viel mehr als nur Verbrennen.
Eine der botanischen Aktivistinnen vom Nachbarschaftsgarten hinter dem Bethanien, erzählte mir, dass sie über die BSR hochwertigen Humus bezogen habe, der in einer betriebseigenen Anlage aus dem Inhalt der Biotonnen hergestellt worden sei.
Ich kann das kaum glauben. Tatsächlich bin ich überzeugt davon, dass der Biomüll lustig mit dem Inhalt der anderen Tonnen zusammengekippt, und gemeinschaftlich abgefackelt wird.

 

BSR

BSR (Photo credit: Scoobay)

 
Des weiteren bewirtschaftet die BSR Recyclinghöfe, bietet eine Tausch- und Verschenkbörse im Internet an, putzt nach Straßenfesten oder Demos umgehend die Plätze sauber, reinigt Parks, leert Tonnen etc.
Ich wertschätze es, dass die Mülltüten nicht, nach italienischem Vorbild, auf der Straße stehen, bis ihr Inhalt  von Saatkrähen oder Stadtfüchsen zerpflückt und großflächig verteilt wurde und es nach Schmodder, Asche und Verwesung stinkt.
Super, dass die Mitarbeiter der Straßenreinigung sich um Schnee, Glatteis, Ölpfützen, Laub, Pollen und anderen natürlichen Abfall kümmern. Absolut nichts zu beanstanden.
Seit einer Weile gibt es zusätzlich zur Biotonne, den zweierlei Glastonnen, der Tonne für Umverpackungen, jener für Restmüll, und dieser für Papiermüll noch eine orangefarbene Tonne, die für Elektroschrott, Lumpen, CDs etc herhält, und damit ein echter Universalist ist, so wie die BSR selbst, die ebenso in Orange unterwegs ist.
Auch die Werbesprüche der BSR sind gelungen und dahinter steckt ein ausgeklügeltes, preisgekröntes und erfolgreiches Konzept.
Doch eins stört. Wiederkehrend.
Dieser nervtötende, schlafraubende, erbarmungslose Lärm, wenn ihr ordnungsliebenden Sympathieträger eure politisch-korrekten Tonnen zu nachtschlafender Zeit unter maximalem Getöse entleert.
Völlig unkonzertiert, jeden Tag eine, statt alle auf einmal.
Dazu dann noch das Geschrubbe und Geputze der kleinen Wagen, die rund-um-die-Uhr (ja, das dürfen die. Sondergenehmigung.) hochtourig mit Vollgas das Trottoir hoch- und runterbrettern, völlig unabhängig von der Notwendigkeit, also dem tatsächlichen Grad der Verschmutzung.
Steht wohl so im Kehrplan, wird dann auch so gemacht.
We kehr for you
Und wenn ihr Saubermänner wach seid und schuften müsst, wieso sollen dann wir Bürger weiter faul und bräsig im Bett herumliegen? Was interessiert die BSR, dass Menschen im Schichtdienst arbeiten oder einen anderen Schlaf-/Wachrhytmus haben und niemals vor 2 Uhr morgens schlafen können?
Ein bekanntes Werbeplakate der BSR lautete: Save the rave!
Wie soll man raven, wenn man nicht ausschlaven kann hinterher?
Morgens BSR, danach der Lärm der Stadt und am Wochenende die Kirchenglocken und Freizeitzwang.
Und so werde ich JEDEN Morgen, außer an Sonntagen, durch das Klirren, Rattern, Rumpeln, Scheppern, das Geschrubbe, die Dieselmotoren- eben die gesamte Palette des BSR-Terrors geweckt.
Gestern war ich so erledigt, dass ich, ohne krank zu sein, schon um 23 h ins Bett fiel.
Zu müde um schlafen zu gehen.
Erschöpft wach gelegen und mit brennenden Augen manisch fiebernd auf den vertrauten Lärm geharrt.
Seit mein Kiez von Millionären aufgekauft wurde, hört man hier gar nicht mehr auf zu putzen.
Das Amt für regionale Aufgaben erklärte mir dazu, dass Orte von besonderer Bedeutung, so wie etwa das Brandenburger Tor, täglich gereinigt werden. Die zweithöchste Priorität in diesem Wichtigkeitsranking, bedeutet den Schrubbeinsatz der BSR-Terror-Wagen an jedem Wochentag.
Wir wurden upgegradet.
Aber es reicht! Me basta! Hit the road!
Ich fordere die sofortige Zusammenlegung aller Tonnen, bzw. deren Leerung an einem festgelegten Wochentag durch achtsame, gut bezahlte Menschen. Jedoch nicht vor 8 Uhr.
Die Schrubbwägelchen mögen durch das altbewährte Straßenfegermodell, wie man es heute noch in Zürich findet, ersetzt, Wowereit aus seinem Büro gewienert und der KPD/RZ der Weg frei geschaufelt werden.
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Mit dem Klavier ist es vorbei, mit dem Tannenbaum war es vorbei, mit dem Lärm ist es vorbei und mit der Geschichte jetzt auch;
vorbei, vorbei,
und so geht es mit allen Geschichten.

 

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