Die leere Mitte

25. Juli 2014 § Ein Kommentar

20140722_09410920140724_094356#120140725_085140Das tägliche Frühstück gerät zum Kampf.
Die, in einem Sieb, im sprudelnden Wasserbad, selbst zu kochenden Eier sind stets entwendet, wenn die Eieruhr am Tisch klingelt und ich zurück gehe ans Buffet, um sie ins Kältebad zu werfen. Seit ich einen Kugelschreiber bei mir habe, ist das Problem gelöst.
Ein anderes, nämlich das, des nicht anständig stocken wollenden Eiweisses, trotz einer Garzeit von 9 Minuten, werde ich nicht selbst beheben können. Die Gartemperatur scheint zu niedrig.
Gut wäre auch, ab und an Eiswürfel ins Abklingbecken zu geben, das durch die Vielzahl an Eiern, die im Laufe des Morgens dort hinein gegeben werden, keinen signifikanten Temperaturunterschied zum Kochbecken mehr aufzuweisen scheint. Das anschließende Schälen gestaltet sich entsprechend schwierig.

Langeweile tötet langsam.

Unterwegs

23. Juli 2014 § 5 Kommentare

20140718_212051Dunkle Asphaltschlange, Kilometer um Kilometer. Richtung Süden, die märkische Ödnis im Nacken.
Hitze, Klimaanlage, Stau. Enthauptetes Ford-Cabriolet, hellblau metallic. Rettungseinsatz.
Langsam rollen wir vorbei. K. gefallen die Feuerwehrmänner. Auf starken Armen aus lodernden Flammen gerettet werden. Meiner Erlösung geht die Kreuzigung voraus.
Die Landschaft wird lieblicher. Weiche Hügel im goldenen Abendlicht. Cellokonzert in h-moll von Dvořák.
Noch eine halbe Stunde bis zum Hotel. K. fühlt sich unwohl, fiebrig.
Linkerhand Military Lagerverkauf, daneben eine Grabsteinausstellung, rechterhand ein bayerisches Dörfchen mit Zwiebelkirchturm.

Ihr Ziel liegt in 5,5 km links

Die Hunde schlafen. Tiefblauer Himmel über der Brecht-Stadt. Kühler Tiefgaragenbauch. Erinnerung an eine Überfahrt zur Insel Korčula, im früheren Jugoslawien. So lange her. Die Mutter schlafend in der Kabine. Der Vater auf Chorreise in den USA. Die Schwester Zuhause, der Fürsorge des lüsternen Familienfreundes ausgeliefert, und der Bruder auf Deck im Portwein ertrunken.
Im dunklen Schiffsbauch, zwischen den parkenden Autos, treffe ich Doda, den ersten Matrosen nach Donald, meinem Urmatrosen.

Öl, Jod, Haut, Muskeln, Schweiß.

Am Morgen sitze ich versonnen auf dem Oberdeck und schaue auf das glitzernde Meer. Einer fängt an zu singen, viele stimmen ein.
Yugoslavia
Die Luft riecht nach Salz. Von hinten umfassen mich zwei Arme, ein flüchtiger Kuss im Vorbeigehen. Der Geruch der vergangenen Nacht. Kleine Härchen auf weisser Haut.
Die Mutter kommt an Deck. Drall und tief ausgeschnitten. Die begehrlichen Blicke der Männer. Der kleine Schmerz, als auch er sie ansieht. Ein Lächeln für mich. Mein Herz springt.

Zum Abschied zieht er mich an sich. Wir umarmen und küssen uns. Mit dem Gang an Land endet die Nacht.
Noch Jahre werde ich mich an seinen fehlenden Schneidezahn und das schiefe Lächeln erinnern.

Von der Tiefgarage fahren wir ins Erdgeschoss zur Rezeption. Einchecken.
Im Zimmer wälzen sich die Hunde auf dem Boden. Etwas krabbelt an meinem Hals. Ein Floh.
Nach dem Füttern gehen wir in die Stadt. Wir sind beide müde und es ist immer noch unerträglich heiss.
Gegen jede Gewohnheit nehme ich Laub mit Dressing und gebratenen Schwammerl. Wir essen schweigend und gehen früh, nach einem kurzen Hundespaziergang, zu Bett.

In der Nacht werden die Klimaanlage und das Essen ihr Werk vollenden.
An eine Weiterreise ist nicht mehr zu denken.

Warum ich kein Fleisch esse (2)

22. Juli 2014 § 14 Kommentare

20140720_16304020140720_16323520140720_163038Heute: Gemüsecurry im Reisrand

Du bist so wunderbar Berlin (6)

17. Juli 2014 § 13 Kommentare

20140715_20490820140612_153057

20140715_205156Allein kann man nicht frei sein

(Deswegen feiert die Kanzlerin heute mit 1000 Gästen Geburtstag)

All that glitters

14. Juli 2014 § 12 Kommentare

Allgäu Bad Hindelang

Allgäu Bad Hindelang (Photo credit: svenmakesphotos)

Ja, ja so geht’s!“ schlossen zwei Bekannte mit einem deutschen, vielsagenden Händedruck ein Gespräch, in welchem sie sich eben nichts zu sagen gewusst. – „Schlechte Zeiten!“ -“Wenn nur der Friede bleibt!“ – „Meinen Sie,- ja, ja – wer weiß!“ – „Hab ich´s Ihnen nicht immer gesagt, es geht, oder es geht nicht.“ „Ja, wenn nicht der Bonaparte wäre!“ – „’ne sappermente Wirtschaft!“ – „Na, man wird ja sehen.“ – „Und das Bier auch immer schlechter.“ – „Sauregurkenzeit, Herr Gevatter!“

Willibald Alexis


Die Tage vor der Erholung.
Innere Sauregurkenzeit.
Am Freitag endlich geht es Richtung Süden.
Den Staub der Stadt aus der Seele klopfen. Das Herz lüften.

Die Weisheiten des heutigen inneren Abreißkalenders:

Da wird man alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu

All that glitters isn´t that gold

Was da weh tut ist nur der Schmerz

Auf Regen folgt Sonnenschein

To whom it may concern

12. Juli 2014 § 22 Kommentare

20140712_0910301. Korinther 13

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die
Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse
und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben,
so daß ich Berge versetzen könnte,
und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib
verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre,
sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;

7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8 Die Liebe hört niemals auf,
wo doch das prophetische Reden aufhören wird
und das Zungenreden aufhören wird
und die Erkenntnis aufhören wird.

9 Denn unser Wissen ist Stückwerk,
und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene,
so wird das Stückwerk aufhören.

11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind
und dachte wie ein Kind
und war klug wie ein Kind;
als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild;
dann aber von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt erkenne ich stückweise;
dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Nachspiel

9. Juli 2014 § 18 Kommentare

20140604_210507
Du wolltest doch keine Fotos von dir ins Blog stellen.

Ja, das stimmt.

Hast du aber gemacht.

Ja, das stimmt.

Das finde ich total bescheuert.

Ja, das stimmt.

Was soll das heissen, das stimmt?

Na, du findest es total bescheuert.

Ja, und?

Ich habe nur gesagt, dass das stimmt.

Woher willst du wissen, was ich finde?

Na, weil du es eben gesagt hast.

Bist du so leichtsinnig?

Glaub nicht.

Versteh ich nicht.

Ich auch nicht.

Wieso machst du es dann?

Erkennt mich doch keiner.

Doch, ich schon.

Ja, du. Aber niemand sonst würde mich deswegen auf der Straße erkennen. Außerdem hat es Spaß gemacht.

Spaß? Du bist kindisch.

Die anderen haben es auch gemacht.

Seit wann interessiert dich was die anderen machen?

Weiß nicht.

Was weißt du nicht?

Seit wann mich das interessiert. Müsste ich drüber nachdenken.

Denk mal drüber nach.

Mach ich.

Ich will wegen dir keinen Ärger kriegen.

Ärger? Wieso du?

Wenn dir jemand was antut, krieg ich Ärger.

Wieso du?

Dann denken alle, ich war es.

Wieso du? Außerdem könnte ich dir bitteschön einfach mal leid tun, wenn mir jemand was antäte, und nicht du dir selbst.

Selber schuld.

Schuld?

Ja.

Du meinst also, weil ich ein Foto von mir im Blog habe, tut mir jemand was an, woran ich wiederum selbst schuld bin, und du bekommst dann die Schuld dafür, ja?

Ja. Und gehe dafür in den Knast.

Du spinnst.

Denk mal drüber nach.

Mach ich.

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